Beef in der Uni

Kaum bin ich aus Okinawa zurück, sitze ich schon wieder in der Scheiße, wie man das so schön sagt. Die Situation beschreibt sich wie folgt: Ich bin im zweithöchsten Japanisch-Kurs an der Ryukyu-Uni und mit diesem Kurs auch ganz zufrieden und glücklich. Die Lehrer sind freundlich und das Niveau ist auch ganz ansprechend, auch wenn ich im Endeffekt doch nicht so wirklich am Lernen war, sondern ziemlich viel Zeit zum Chillen und Ausgehen hatte. Auf dem Trinkgelage nach meinem Redewettbewerb war ich ja Gegenstand diverser Diskussionen in welche Gruppe ich denn gehen könnte. Aufsteigen, Absteigen, Dableiben. Es gab 3 Gruppen für mich zur Auswahl. Und die Lehrer kloppten sich ein bisschen untereinander. Aber nun ja, ich habe es mal als Scherz abgetan, weil doch niemand wirklich glaube, dass mein Niveau höher als das aktuelle Kursniveau ist. Niedriger ist es auch nicht. In volltrunkener Stimmung sagen Japaner sowieso Sachen, die sie nüchtern nie raushauen bzw. glauben würden. Das ist da ganz ähnlich wie mit Deutschen auch. Nächster Morgen Kater und scheißegal was gestern war.

Dann war es ganz plötzlich am 1. April, als ich wegen einer Beratung zu meiner aktuellen Klassenlehrerin ging. Ich musste nur eine Namensliste, auf dem die neuen Leute standen, besorgen, die ich dann gestern eskortiert habe. Im Nachbarraum saß die Klassenlehrerin der höchsten Gruppe, die auch für das gesamte Kursprogramm der Ausländer an der Uni verantwortlich ist. Da holte ich gerade den Aufzug und wollte gerade einsteigen, als sie aus dem Raum kam und mich flüsternd herbestellte. „Wie war das noch gleich, wollteste du nicht in den obersten Kurs rein?“ Ähm, dachte ich, die erinnert sich? Ich habe zwar auch gesagt, dass ich in den unteren Kurs wolle, aber da das eigentlich nicht möglich ist, war das als Scherz abgetan. Ein Aufstieg ist dagegen bei besonderen Leistungssprüngen möglich. Aber ziemlich selten. Und die Argumente, die ich dann gegen den Aufstieg lieferte, wurden alle erstaunlich lässig von der Lehrerin der oberen Klasse beiseite gewischt. Was sollte ich also tun, um in die obere Gruppe zu kommen, in die ich liebend gerne gehen würde, um mein Japanisch mal richtig abgehen zu lassen. Verrat.

Nichts weniger als aus heiterem Himmel meiner Lehrerin, die ich eigentlich sehr mag, eine Mail schreiben, dass ich die Gruppe wechseln will. Ich bevorzuge aber ein persönliches Gespräch. Meine aktuelle Lehrerin ist neu und noch nicht mal aus Okinawa, sodass sie bei den alteingesessenen Lehrern einen schweren Stand hat. Insbesondere zwischen ihr und der obersten Lehrerin geht da so ziemlich der Beef ab. Intrigen und so etwas war mir immer zuwider. Deshalb war ich schockiert, dass ich die Mail an meine aktuelle Lehrerin an alle Lehrer schreiben sollte und meine aktuelle Lehrerin damit bloßstellen. Dagegen wehrte ich mich und suchte gestern das Gespräch. Bevor ich das Gespräch suchen konnte, kam ein Anruf (!) von der oberen Lehrerin, die mir riet, dass ich zur Beratungsstunde der Lehrer, wenn alle Tests, etc. ausgewertet wären, zu den Lehrern kommen solle und vor versammelter Mannschaft sagen, dass ich in die höhere Klasse will. So gern ich in die höhere Klasse wollte, so etwas ist einfach nicht mein Stil. Lieber flieg ich komplett aus dem System, als dass ich eine von mir sehr gemochte Lehrerin vor versammelter Mannschaft bloß stelle. Ich ging also nicht zur Beratungsstunde und werde das Ergebnis der Beratung wohl erst am Freitag in der großen Versammlung aller Austauschstudenten mitkriegen. Ich fühle mich als Gegenstand einer Intrige, die ich so nicht gerne mitbekommen wollte. So ist meine Laune für den Rest dieser letzten Ferienwoche erstmal im Arsch. So wie das Wetter heute.

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