Kagerou – Kurohata

Als sich Kagerou vor einiger Zeit auflöste, hinterließen sie mit „Kurohata“ wohl ihr bemerkenswertes Album. In einer Kritik wurde das Album zwar als mäßig gut betitelt und besonders für seine wunderbaren Bassläufe gelobt, allerdings fehlt bei jeder Kritik des Albums die lyrische Tiefe, die dieses Konzeptalbum mit sich bringt. „Kurohata“ heißt „schwarze Flagge“ und steht ganz klar für das Thema des Albums. Paradox würde man es vielleicht nennen, es ist aber viel mehr aber eine Konfrontation mit gängigen Bildern und das Spiel mit Worten durch Umkehrungen, was die lyrische Tiefe des Albums ausmacht. Anstatt einer weißen Flagge, wird eine scheinbar konträr und zugleich bedeutungsleere schwarze Flagge gehisst. Betrachtet man alleine die Titel „Untergehender Himmel“, „Melancholie einer Nutte“, „gefallener Traum“ und die anderen, dann wird klar, dass Kagerou gängige Wortbilder aufbrechen will. Der Himmel geht nicht unter, die Welt vielleicht oder die Sonne, aber der Himmel? Eine Nutte hat nicht melancholisch zu sein, welcher Freier würde sich so eine Frau auch nehmen? Träume sind nicht dazu da zu fallen, Träume sind da um verfolgt zu werden. Sie scheinen unerreichbar, aber niemals fallen sie und werden wertlos.

So erscheint der Titel „Tonarimachi no kanojo“ (Freundin aus der Nachbarstadt) fast schon harmlos vom Titel her, aber der Titel gibt derart viel an lyrischer Klasse wieder, dass er nicht umsonst eine Singleauskopplung des Albums war. Die Hauptzeile lautet da etwa „Die Nachbarstadt ist viel zu weit, auch wenn man mit dem Zug nur eine Station fährt. Die Nachbarstadt ist viel zu weit, auch wenn man zu Fuß in 5 Minuten dort ist.“ Die Entfernung ist abseits der real erfahrbaren Entfernung einer Strecke von A noch B eine Metapher für die emotionale Entfernung zwischen zwei Menschen. Die Freundin aus der Nachbarstadt ist schweigsam, sagt nichts, ist scheinbar emotionslos und diese Dinge machen es für den Protagonisten so schwer in die Nachbarstadt zu fahren. Die Nachbarstadt ist „real“ nah, aber zugleich eine andere Welt. Mit diesem Text stellt die Band nicht nur eine Metapher auf, sondern führt das Bild von der Realität ad absurdum. Nähe und Ferne sind subjektive Dinge, die sich nicht an Bahnstationen oder Minuten messen lassen. Am Ende des Liedes scheint dann doch ein Hoffnung durch, als der Ich-Erzähler sagt „Ich laufe jetzt zur Nachbarstadt, auch wenn ich nicht weiss, was passieren wird“. Schweigsamkeit muss wie eine Stadtgrenze erstmal überwunden werden, bevor man sich wirklich nah fühlt. Hier hisst man keine weiße Flagge, sondern die schwarze Flagge.

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Eine Antwort to “Kagerou – Kurohata”

  1. Anti Says:

    Ja, Kagerou *thumbs up*

    Tolle Band und ich mag das Album auch ;D

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