Von Fleischfressern und Vegetariern

Wenn man in Japan von „Fleischfressern“ (nikushokukei) und „Vegetariern“ (soushokukei) spricht, so sind dabei nicht nur die offensichtlichen Bedeutungen verbunden, sondern auch, oder sogar eher, zwei Typen von Männern. Nikushokukei beschreibt den Mann, der offen ist, seine Meinung sagt und auch nicht verschüchtert wirkt, wenn er Umgang mit Frauen hat. Eigentlich das, was man sich gemeinhin als genderspezifisch „männlich“ vorstellt. Dieser Typ war in Japan bis hinein in die Achtziger weit verbreitet und daher gab es diese Unterscheidung zwischen den beiden Typen nicht. Die Entwicklung zu den soushokukei-danshi (Vegetarier-Typ) ist eine Entwicklung, die den zunehmenden Verlust von traditionellen Rollenbildern in Japan widerspiegelt. Mit dem Platzen der Bubble-Economy in Japan Anfang der Neunziger und der ewigen Rezession wurden Prinzipien wie die lebenslängliche Beschäftigung (kein Arbeitsplatzwechsel), das Senioritätsprinzip (mit zunehmenden Alter bekommt man mehr Geld) und die betriebsbezogene Wohlfahrt und Altersvorsorge mit einem Mal Geschichte. Das Bild des starken Mannes lag in Trümmern, zugleich gab es Bewegungen wie die Musikrichtung Visual Kei, die Geschlechtsbilder bewusst verwässerten oder mischten. Plötzlich trat also auch ein neuer Typ Mann auf. Der zurückhaltende, verschüchterte und stets freundlich-desinteressiert wirkende soushokukei-danshi. Die Frage ist nun, ob diese Entwicklung in Japan negativ bewertet wird. Wird sie nicht.

Der Grund hierfür liegt sicherlich in der Konnotation, die das Wort hat. Männer, die soushokukei sind, gestehen Frauen nicht ihre Liebe, weil sie sich vor einer Abfuhr fürchten, aber zugleich können sie dem Bild dieses Types zufolge einer Frau, die sie lieben, ewig die Treue halten. Sie sind vielleicht die kompliziertere, aber auch sichere Variante. Deswegen ist diese Entwicklung nicht nur auf eine Verschiebung der Rollenbilder zu schieben, sondern auch auf den Geschmack der Frauen, der sich ebenfalls hin zum soushokukei änderte. Der nikushokukei dagegen wirkt wie eine aussterbende Art. Der Mann, der auch mal sagen würde: „Hey, lass mal einen Kaffee trinken“, anstatt ewig von der Ferne die Angebetete anzuhimmeln, bis diese hoffentlich irgendwann seine kleinen Zeichen deuten würde. Während der soushokukei bereits nach der ersten kleinen Absage, schmollend in der Ecke stehen würde, versucht der nikushokukei es so lange bis die Frau schon nicht mehr „nein“ sagen kann. Sicherlich haben beide Typen so etwas für sich, solange man es nicht ins Extreme übertreibt. Mir wurde immer gesagt, dass ich nikushokukei sei, was natürlich nur an meiner direkten deutschen Art liegen kann, die für Japaner einfach unverständlich ist. 😉

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8 Antworten to “Von Fleischfressern und Vegetariern”

  1. morbiderengel Says:

    Also bist du gar nicht so beliebt bei Frauen da, weil die auf den anderen Typ Mann stehen?

  2. adulto Says:

    Okinawa ist nochmal nen Spezialfall.

  3. morbiderengel Says:

    Soso^^ Erklär ^^

  4. Peter Says:

    Da aber in dieser Welt alles ständig mäandriert, zusammenläuft um sich wieder zu trennen um wieder zusammenzulaufen, oder anders gesagt, es keinen wahren Stillstand gibt und keine wahre Bewegung, so wie es keinen 100%igen Alkohol gibt und alles relativ ist, sind diese auf einen Faktor, auf ein Bild fokussierten Betrachtungen meist fruchtlose Sophistereien und ziemlich nichtig. Und alle Intelligenten Subjekte sind ohnehin ein wenig Chameleon.

  5. adulto Says:

    Okinawa-Männer gelten als Taugenichtse. 😉

  6. Patrick Says:

    Gib uns Nippon-News^^

  7. morbiderengel Says:

    Get naked :p

  8. Blog Fundacji Sakura » TRAWOŻERNI Says:

    […] Von Fleischfressern und Vegetariern […]

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