Radwimps

Ich habe sicherlich schon eine Ewigkeit nicht mehr über meine Liebe zu japanischer Musik und japanischen Bands geschrieben, also wird es wohl auch langsam mal Zeit das zu ändern. Die Band, die ich vorstellen möchte, nennt sich „Radwimps“ und ist augenblicklich mit dem Lied „Dada“ weit oben in den japanischen Oricon-Charts vertreten. Allgemein lässt sich sagen, dass „Radwimps“ wohl einer der wenigen Vertreter japanischer Rockmusik ist, die sich aktuell noch allgemeiner Beliebtheit in Japan erfreuen. Den Durchbruch schaffte die Band, die sich aus den englischen Slangwörtern „rad“ (toll, exzellent) und „wimp“ (Waschlappen) ihren Namen bastelte, mit dem vierten Album „Radwimps 4: Okazu no gohan“ (2006), was übersetzt so viel heißt wie „Beilagen-Gericht“ (ein Essen, das ausschließlich aus Beilagen besteht). Hierbei muss allerdings auch beachtet werden, dass „Okazu“ auch als vulgärer Ausdruck so viel wie „Wichsvorlage“ bedeuten kann. Das diese Doppeldeutigkeit zwar bemerkt, aber nicht unbedingt so vulgär auszulegen ist, zeigt eine Textstelle im Lied „Iin desu ka“ (Ist es in Ordnung?). „Wenn du die Beilage wärst, dann wäre ich 50 Schalen Reis. […] Übrigens, „Okazu“ (Beilage) hat keine schlechte Bedeutung, deshalb sei bitte nicht böse.“

Das eben genannte Album, das den Durchbruch bescherte, ist im übrigen musikalisch wertvollster Melodic Rock mit experimentellen Anflügen. Da wird teilweise Sprechgesang eingebaut, teilweise komplett Englisch gesungen (für Japan schon ein experimenteller Aspekt 😉 ) und teilweise wird sogar sehr schneller englischer Sprechgesang geboten. Gleichzeitig werden neben experimenteller Melodik auch ganz klassische Balladen geboten, die allerdings ohne große Orchester auskommen, sondern viel mehr durch die vorhanden Bandinstrumentalisierung bereits eine ausreichende emotionale Dichte erzeugen können. Ein Beispiel für die Experementierfreudigkeit der Band ist das Lied „Setsunarensa“, in dem englischer Sprechgesang mit einem japanischen Refrain kombiniert wird. Diese Top 5-Single spiegelt sehr viele, wenn auch nicht alle Facetten der Band wider. Zu Beginn heißt es da beispielsweise auf Englisch: I was about to fall into this place where I can never crawl up I shoud’ve been to Hollywood and meet Eddie Murphy and say ‚tike tike yo tike tike yo kiddy yo.

In der ersten Nummer 1-Single „Order Made“ (2008) der Band wirkt das Video ebenfalls sehr expressionistisch. Das Leben ist ein großes Sandwich. Eine Lage nach der anderen wird hinzugefügt. Das Leben ist am Ende lediglich ein Sandwich, das man sich nach Belieben belegt und seinen eigenen Geschmack beifügt, bevor der unausweichliche Tod es verspeist. Dies wäre zumindest meine Interpretation der Bildsprache. Diese Botschaft wirkt fast nihilistisch, da letzten Endes das Sandwich ausgelöscht wird, ganz gleich wieviel man investiert hat. Am Ende bleiben nur die Krümel der Existenz.

Zuletzt noch ein Lied vom Album „Radwimps 4: Okazu no gohan“, das sicherlich eine der schönsten Liebeserklärungen in der japanischen Musik darstellt. „Futarigoto“ (in etwa: Ganz wir beide) ist sicherlich kein einfacher Text und daher sei hier auch eine selbstangefertigte Übersetzung  des Anfangs angehängt, der der Charme der japanischen Originalversion sicherlich ein wenig verloren geht, die aber trotzdem hoffentlich noch den mutmaßlichen Inhalt widergibt. 😉

Futarigoto

Über was soll ich mit der denn jetzt sprechen? Wie kann ich dir dieses Gefühl nur übermitteln? Es dauert vielleicht ein bisschen, aber ich geb mir mal alle Mühe, okay?
Du bist so schön, dass man schon sagt, dass du der größte Entwicklungssprung dieses Jahrhundert wärst. So etwas wie Gedanken, die so nah waren, als würde die Herzen deiner Eltern kurz vor dem zusammenprallen stehen, muss man wohl die Schuld geben.
Ganz unbemerkt, ohne dass sich unsere Augen trafen, ohne dass auch nur ein zweites „Ich bin wieder zu Hause“ zu hören war, murmelte die Pupille, die dich anstarrte, folgendes:
„Dass ich existiere, ist der Beweis, dass wir uns lieben. Hier gibt es keine Lüge, oder? Sag, dass hier nichts unwahr ist.“
„Wenn ich sage, dass es bei uns keine Liebe mehr gibt, wird mein Leben zur Lüge. Lass mich nicht gegenüber der „Zeit“ lügen.“

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