Der Valentinstag in Japan

Valentinstag in Japan – das ist so eine Sache für sich. Man kann ohne Frage sagen, dass dieses Ereignis noch stärker durchkommerzialisiert ist als in Deutschland beispielsweise. Während in Deutschland eher die Blumenlobby ihre Finger im Spiel hat, ist es in Japan die Süßwarenbranche, die massiv am Valentinstag mitverdient. Der Valentinstag (14.2.) ist außerdem ein Tag, an dem in Japan üblicherweise Frauen den Männern Schokolade schenken. Die Männer sind am sogenannten „White Day“ (14.3.) in der Pflicht diese Zuneigungsgeschenke zu erwidern. So kassiert man in Japan direkt an zwei Tagen ab. Außerdem ist es so, dass es in Japan dem Status des Beschenkten gegenüber verschiedene Arten von Schokolade gibt. Wir unterscheiden hier zwischen honmei choko (本命チョコ), giri choko (義理チョコ) und letzten Endes gibt es auch noch die my choko (マイチョコ). Was es mit diesen ganzen Unterkategorien auf sich hat, soll im Folgenden kurz beschrieben werden.

Honmei choko ist die Schokolade, die man gemeinhin seinem Geliebten oder seinem Partner schenkt. Also die „Tradition“, die auch im Westen ganz üblich ist. Allerdings ist diese Schokolade oftmals selbst gemacht, man kauft die Zutaten ein und kredenzt hieraus eine ganz spezielle Schokolade oder Süßigkeit, die schon beim bloßen Hinsehen offensichtlich macht, wie sehr sich die Person angestrengt hat. Diese Süßigkeit sollte dementsprechend nur ein Mal gemacht werden und sich von der gemeinhin als giri choko bezeichneten Schokolade unterscheiden.

Giri choko, die sogenannte „Pflicht-Schokolade“, ist meistens kleine gekaufte Schokolade, die man seinen Arbeitskollegen oder guten Freunden schenkt. Meistens ist diese gekauft, aber auch hier gibt es Unterschiede. Kauft man beispielsweise hochwertige Schokolade, dann zeigt das die besondere Stellung, die der Beschenkte für die Schenkende hat. Den Arbeitskollegen schenkt man daher nicht unbedingt die teuerste Schokolade, da das auch missverständlich gedeutet werden könnte. Wenn man außerdem seinen Arbeitskollegen Schokolade schenkt, dann muss man darauf achten, dass auch alle gleichwertige Schokolade bekommen. Der Friede in der Firma soll schließlich gewahrt werden. Dieses System der „Pflicht-Schokolade“ führt mitunter auch dazu, dass geradezu ein geheimer Wettstreit entbrennt, wer die meiste Schokolade sammeln kann. Für den dritten Typ gilt das hingegen nicht.

My choko bezeichnet die Praxis, dass sich Männer, die keine Schokolade bekommen haben, sich selbst Schokolade kaufen. Dies mag einerseits damit zusammenhängen, dass der gesellschaftliche Druck quasi Schokolade bekommen zu müssen hoch ist, andererseits auch damit, dass man sich selbst trösten will. Ein Mann, der nicht mal von Arbeitskollegen oder Freunden die giri choko bekommen hat, muss sich rechtfertigen, daher verschleiert man dies oftmals mit dem Kaufen einer eigenen Schokolade. In extremen Fällen wird auch selbst sehr hochwertige Schokolade hergestellt, was den Schein, dass man eine liebende und fürsorgliche Freundin hat, künstlich wahren soll.

In Japan ist das Fest der Liebe also auch eine Art sozialer Wettstreit, um die Zuneigung des anderen Geschlechts, der mit hohem sozialen Druck einhergehen kann, aber auch nicht muss. Die Süßwaren-Branche freut es aber sicherlich, dass der Absatz von Schokolade so hoch gehalten werden kann.

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Eine Antwort to “Der Valentinstag in Japan”

  1. Patrick Says:

    Mhm, mich würd mal interessieren wie hoch die Diabetes-Erkrankungen in J. sind, an sich sind sie ja das gesündeste Volk der Erde, aber bei so´ner jährlichen Schokoorgie…^^

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