Archive for the ‘Das Leben’ Category

Convenience Stores – Japanische „Konbinis“

Februar 5, 2011

Anders als in Deutschland, wo man spät abends oftmals hungrig und durstig die Nacht verbringen muss, gibt es diese Gefahr in Japan überhaupt nicht. Während man in Deutschland zur nächsten 24Stunden-Tankstelle laufen müsste, gibt es in Japan ein, sagen wir ultrakapitalistisches, Convenience Store-System, das die Japaner rund um die Uhr mit Getränken, Tabak, Fast Food, etc. versorgt. Dort kann man sogar Socken, Zahnbürsten etc. kaufen. Natürlich sind die Preise in den Konbinis nicht ganz ohne, aber andererseits auch noch nicht im Bereich der hiesigen Tankstellenpreise. Anders als Tankstellen oder auch Trinkhallen sind die Konbinis ausnahmslos rund um die Uhr (auch sonn- und feiertags) geöffnet. Genialerweise kann man in den Konbinis dazu noch mit Kreditkarte bezahlen! In Okinawa habe ich mir diverse Male einfach ne Flasche Cola und ne Packung Tabak mit meiner Visa-Kreditkarte besorgen können. Da kann man echt schon von Service-Wüste Deutschland sprechen. Gleichzeitig sind die Löhne im Konbini natürlich nicht wirklich ausreichend um sein Leben zu bestreiten, sodass meist lediglich Studenten (u.a. Studiengebühren bezahlen) und Hausfrauen als Part-Timer (u. a. um das Studium der Kinder zu bezahlen 😉 ) im Konbini arbeiten. Ich war jedenfalls heilfroh, dass direkt vor unserem Wohnheim so ein Konbini war (dagegen war der nächste Supermarkt 30 Minuten weit weg, auf dem Weg dorthin lagen 3 Konbinis) und dieser Konbini hieß „Koko“. Man mag jetzt als klugscheißerischer Japanologie-Student oder impotenter Japanfachmann sagen: „Hey, so einen Konbini gibts gar net!“ Naja, den Konbini „Koko“ gibt es tatsächlich nur in der Präfektur Okinawa. Wieder was dazugelernt. An dieser Stelle noch eine Anekdote: Wenn wir im Taxi aus Naha zurück zum Wohnheim saßen, saß ich immer auf dem Beifahrersitz und durfte die Anweisungen geben, wohin wir denn müssten. Als wir bereits kurz vorm Wohnheim waren, zeigte ich auf den Konbini und sagte: „Koko de ii desu.“ (Am Koko is okay.) Ich meinte natürlich den Konbini. Dummerweise heißt „Koko“ auf Japanisch zugleich „Hier“, also ließ der Fahrer uns direkt 300 Meter vom Konbini aussteigen. Jedenfalls war das Konbini-System in seiner Kundenfreundlichkeit einfach unschlagbar und echt ein Gewinn. So konnte man selbst um 4 Uhr morgens noch Socken und/oder Zigaretten kaufen gehen. 😉  Das sahen auch einige andere Ausländer in Japan so und schrieben deshalb eine Ode an den Konbini.

Jetzt reicht’s aber auch mal!

Januar 26, 2011

Kaum verfasste ich den letzten Blogeintrag ging es wieder zur Arbeit. Um 22 Uhr macht unser Laden dicht. Wann ich wieder zu Hause war? Viertel nach 11! Ich hatte heute direkt 5 Päckchen auszuliefern, was beim Einzugsgebiet, das wir haben echt nicht ohne ist. Dann kommt es natürlich dazu, dass zwei Adressen nicht zu finden waren. Bei drei Lieferungen war ich also dermaßen, dass sich ein Kunde sehr stark beschwerte und zwei weitere Lieferungen storniert werden mussten. Dies hängt auch damit zusammen, dass ich schon vom Start weg hinter meiner Lieferzeit herfuhr. Kommt dann noch dazu, dass der Navi mir zwei Adressen nicht anzeigen kann, dann ist es echt zu Ende. Tut mir leid, aber Kapitalisten versteh ich echt nicht. Da weiss man doch, dass 6 oder 7 Lieferungen so zusammenkommen und man stellt keinen zweiten Fahrer ein. Stattdessen ruft man lieber einen Kurier, der aber auch nicht alles liefern kann, was bei uns so reinkommt. Kundenzufriedenheit? Nee, Hauptsache wir scheffeln Kohle. Im Notfall können wir ja dem unzufriedenen Kunden nen Gutschein ausstellen. An Tagen, an denen nicht so viel zu tun ist, reicht ein Fahrer natürlich vollkommen, aber in letzter Zeit gibt es bei uns solche Tage nicht mehr. Fragt sich dann nur, wieso man so beratungsresistent sein kann, keinen zweiten Fahrer einzustellen. Ich hab es heute nicht mal mehr zurück zu unserem Laden geschafft, sondern den Wagen zum Hauptbahnhof gebracht, wo ihn mir ein Koch abgenommen hat. Wo ich aber so auf meinen Kollegen wartete, wäre ich fast umgekippt. Mir wurd schon schwarz vor Augen, weil ich scheinbar nicht genug gegessen hatte oder weil es einfach zu stressig war. Jedenfalls war mir das als Grenzerfahrung schon genug. Vielleicht muss ich erst abkratzen, bis sich bei uns mal was tut. Aber ne, dann hätten wir ja einen Fahrer weniger. Wo sollen wir auch die ganzen Fahrer hernehmen. Sterben ja alle eh weg.

Das Leben eines Sushi-Fahrers

Januar 26, 2011

Samstag ging wieder alles den Bach runter. Beim Ausliefern zur Zweigstelle im Hauptbahnhof ging mir wieder Reis kaputt. Mit dem Stress von weiteren 5 Lieferungen im Nacken, vergass ich natürlich alles und spurtete los. Folge: Ärger vom Chef. Dann waren da noch die 5 Lieferungen, die ich relativ gut noch ausgeliefert bekam. Allerdings warteten als ich zurückkehrte bereits fünf weitere Lieferungen auf mich. Lustigerweise war ich dann 3 Mal schon über ne Stunde zu spät…Manchmal kann man sich bei der Arbeit echt den Arsch abfahren und wird dann noch vom Kunden fertiggemacht. Im Augenblick muss ich diese Arbeit noch machen, da ich Geld für meinen zweiwöchigen Okinawa-Urlaub brauche, aber Gott weiss, dass ich keine Lust habe ganz Düsseldorf (Einzugsgebiet geht über Düsseldorf hinaus) zu beliefern und dann doch einen recht geringen Lohn für den ganzen Stress zu bekommen. Früher hat’s noch Spaß gemacht, aber mittlerweile ist das Verhältnis zu den Kollegen sowieso nicht mehr vorhanden. Dass ich Japanisch reden kann, spielt eigentlich keine Rolle mehr. Irgendwohin eingeladen werde ich sowieso nicht mehr. Wenn ich mir dann teilweise andere Jobs ansehe, wo Japanisch-Kenntnisse gebraucht werden und die mit 11 Euro die Stunde vergütet werden. Da wird einem die jetzige Situation umso unangenehmer. Im nächsten Semester muss ich eigentlich nicht mehr arbeiten. Zeit für einen Urlaub in Okinawa habe ich auch nicht. Büffeln ist angesagt. Vielleicht finde ich ja etwas, das wenigstens für meine Zukunft irgendeinen Sinn macht. Raus umkippen macht eifnfach keinen Spaß.

Wer saufen kann, kann auch arbeiten

Mai 30, 2010

Endlose Zahlenkolonnen auf meinem Rechner. Das alles nur für meine Forschungsarbeit (20 Seiten) auf Japanisch. Dann kommt noch, dass ich Anfang Juli schon einen ziemlich großen und wichtigen Test habe, den ich auch erstmal bestehen muss. Eigentlich müsste man da sagen, wo nimmt der Mann die Zeit her noch zu saufen? Ehrlich gesagt, weiss ich es auch nicht so richtig, aber wie es so schön auf Deutsch heißt: „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“. Im fast täglichen E-Mailverkehr mit meiner Lehrerin habe ich ihr versucht dieses Sprichwort in ein halbwegs verständliches Japanisch zu übersetzen. Letzten Endes hatte sie auf Japanisch ein viel besseres Sprichwort parat. Asobijouzu wa, benkyoujouzu.(遊び上手は、勉強上手) Wer besonders gut Spaß hat, ist besonders gut beim Lernen. Manchmal braucht man auch als Student einen kleinen Ausbruch aus den Zahlenkolonnen, die man Tag für Tag in Excel eintippt und aus denen man noch nicht so wirklich schlau wird. Man kann nicht jeden Tag vor Büchern sitzen und dabei glücklich werden. Zumindest ich kann das nicht. Irgendwo ist man auch nur ein Mensch und braucht ein Ventil und sei es nur eine Party im Monat, bei der man es so ordentlich krachen lässt, dass man am nächsten Tag noch vor Alkohol kaum richtig stehen kann. Frauen als Ventil habe ich dieses Semester abgeschafft. Zu zeitintensiv, zu nervig und zu viele Probleme. Da erlaubt man sich doch lieber mal vier, fünf Bierchen und ist wieder voller Kraft und Motivation, wenn der Rausch ausgeschlafen ist. Gibt es aber kein Ventil, explodiert man einfach. Bevor ich hier an der Uni Amok laufe, feier ich doch lieber bis zum Äußersten, danach kann man auch wieder bis zum Äußersten lernen.

Tokyo-Reise

März 31, 2010

Verrückt. Eigentlich dachte ich net dran nochmal nen Kurztrip nach Tokyo zu starten, aber da eine koreanische Freundin mir ein Zimmer zur Verfügung stellte, war ich dann doch bereit eine kleine Reise zu unternehmen. Schließlich gab es außer Flugkosten und Verpflegung nicht mehr wirklich was groß zu besorgen. Da eben besagte Korea-Tante aber ein verdammter Stubenhocker und dazu noch ziemlich beschäftigt mit Arbeit war, musste ich mir jemanden suchen, der mich ein wenig durch Tokyo führen könnte. Also mal einschlägige Japan-Rest der Welt-Austauschseiten abgeklappert und dann doch eine Nachricht von einem Mädel aus Tokyo gekriegt, die selber Deutsch lernt, ziemlich gut Englisch kann und mich liebend gerne durch Tokyo führen würde. Da sag ich natürlich nicht nein. Nach zwei Tagen der Treffen stellte sich heraus, dass sie von der besten Uni Japans ist und Tiermedizin studiert. Hinzu kam, dass die Gute noch ziemlich süß und gut erzogen war. Da lässt man sich ja nicht lange bitten als Mann. Vorsicht war dennoch geboten. Mit der Tür ins Haus fallen wie bei einer ganz normalen Durchschnittsjapanerin war da nicht. Eigentlich war ich auch nicht wirklich aus was aus und wenn dann müsste es schon das volle Programm sein. Entweder ganz oder gar nicht. Nach einer Weile des Dauer-Datens inklusive eines Besuches in Disneyland (wo ich sicher nicht für jede Frau hingegangen wäre!), wo sich zufällig unsere Lippen trafen, stand der letzte Abend bevor. (more…)

Redewettbewerb der Präfektur Okinawa

Februar 28, 2010

Unter 12 Leuten war ich der einzige Deutsche, aber ich finde, dass ich mein Land und meine Klasse doch ganz gut vertreten habe. Ich gewann den besonderen Preis der Jury. Dass meine Japanisch-Kenntnisse nicht an die Leute aus dem obersten Sprachkurs reichen, war mir früh klar, also hatte ich nur die Chance mit Gestik und Mimik und besonders lustigem Inhalt aufzufallen. Hat wunderbar geklappt. Der Saal lag mehrmals lachend auf dem Boden und selbst ich musste wegen meiner eigenen Rede lachen und machte während der Vorstellung ein durchgehend strahlendes Gesicht. So aufgeregt ich davor war, so aufgelöst war ich dann als ich vor knapp 300 Leuten auf der Bühne stand und meine Rede fehlerfrei und ohne Ablesen über die 7 Minuten brachte. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, dass ich von Tatsuyas (Kommilitone mit japanischen Eltern aus Kanada) eigentlich strengem Vater so viel Lob nach meiner Rede bekam und auch eine Japanerin sich draußen zu mir setzte und meinte, dass ich ihr Bild von Deutschland ein wenig erweitert habe. Mehr wollte ich nicht erreichen. Dass auch nur eine Person ein neues Bild von Deutschen bekommt, hat mich echt glücklich gemacht. Nach einer Woche des Übens und Auswendiglernens einer Rede über Bier, Wurst und Vorurteile war es gut beim Saufen nach dem Wettbewerb endlich mal ein kühles Helles in der Hand zu haben. Das war das leckerste Bier, dass ich je getrunken hab. 😉

Gestern im Club

Februar 13, 2010

Ich: „Hey, willst du nicht anstoßen?“

Sie: „Nee, will ich nicht.“

Verdammte Ausländerdiskriminierung.

Speech Contest oder: Der Drang aus dem sechsten Stock zu springen

Februar 11, 2010

Saß ich doch gestern ernsthaft 3 (!) Stunden im Büro von Kinjou-sensei, der meine Speech so dermaßen auseinandernahm, dass ich nicht mehr weiss, wo Anfang und Ende ist. Erstmal wurde die Reihenfolge geändert, was ich an sich ja super fand, aber dann ging der Rotstift gleich 5 Mal hintereinander über die jeweils korrigierte Speech. Ich habe also genau 5 Mal die Speech am PC im Nachbarzimmer korrigiert und dann immer noch was reingeschrieben bekommen. Ner Japanerin hab ich die Speech jetzt auch mal zum Lesen gegeben und war dann wenigstens glücklich, dass die jetztige Speech doch viel besser als die davor sei. Im Endeffekt ist der Lernaufwand aber enorm geworden. Ich glaub das gerade nicht, kaum eine Stelle blieb verschont, sodass ich fast wieder bei Null anfangen darf. 8 Minuten ist die Speech lang, wenn man sie nur vorliest. Dann kam noch die Superinfo, dass nur 10 Leute an dem Redewettbewerb teilnehmen. Darunter zahllose mit ethnisch-japanischem Hintergrund oder Asiaten, die schon seit Jahren Japanisch lernen. Ich darf also in keinem Fall versagen. Bei 30 Leuten wäre das weniger aufgefallen, aber bei 10 Leuten ist absolutes Kamikaze-Lernen angesagt.

Das Semester klingt aus

Februar 9, 2010

Ja, ich hab jetzt noch genau zwei Mal Unterricht und könnte dann eigentlich direkt in die Ferien statt, wenn… ja, wenn da nicht die super Nachricht wäre, dass ich noch zum Präfektursredewettbewerb eingeladen wurde. Bin dabei der einzige aus meiner Gruppe und auch der einzige Deutsche. Da die Rede nun gut zwei Minuten länger werden muss, darf ich noch ein bisschen was in die Rede einbauen und das ganze auch schön bis Montag auswendig können. Meine Lehrerin fährt jetzt erstmal nach Tokyo, weshalb ich bei einem anderen Lehrer unterm Scheffel stehe und morgen erstmal die Aussprache gecheckt werden soll. Von wegen Ferien. Hab Freitag, Samstag und Sonntag Besäufnisse, aber werde die dann halt am Abend mitmachen und mich tagsüber mit der Rede beschäftigen. Gott sei dank kann ich den größten Teil der Rede schon, muss nur noch an Aussprache und dem neu eingeschobenen Teil reinkriegen. Wird schon lustig genug alles. Hab mir aber vorgenommen mich richtig reinzuhängen, weil das ja doch durchaus nochmal eine Stufe über der kleinen Uni-Sache ist. Ist in einer relativ großen Halle in Naha und wird wohl nicht ganz so leer sein, weshalb ich mir jetzt schon ins Hemd mache, aber hey, immerhin kann ich einen iPod, etc. gewinnen. 😉

Headshot Semesterende

Januar 18, 2010

Was mache ich seit Sonntag ohne Unterbrechung? Richtig, lernen. Heute ein Test, morgen ein Test und die Vorstellung meiner Rede. Donnerstag ein Test, Freitag die Generalprobe für meine Rolle als Moderator. Heute habe ich den ersten Test schon mal total verhauen. Morgen werde ich den Test wahrscheinlich auch verhauen, genauso wie meine Rede. Die Vokabeln, die ich bis morgen können muss, belaufen sich auf eine kaum ertragbare Zahl. Wenn ich das zählen würde, würde ich wohl einfach nur noch durchdrehen. Nach dem Unterricht muss ich echt erstmal ein wenig chillen. Ich sterbe noch, wenn das so weitergeht. In der Nacht von Sonntag auf Heute habe ich 3 Stunden geschlafen, von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr morgens und wurde dann auch noch von zwei Alpträumen (nach 2 Liter Cola und einem halben Liter Kaffee auch kein Wunder) aufgeschreckt. Soll ich heute wieder so wenig schlafen? Ich bezweifle, dass ich das nochmal schaffen kann. Ich bin gerade echt so kurz davor einfach krank zu werden.