Archive for the ‘Japan’ Category

„Asiatischer Holocaust“

Juli 5, 2007

Zu Recht setze ich diesen Begriff in Anführungszeichen, denn es ist problematisch den Völkermord in Asien mit dem Holocaust der Juden durch Nazi-Deutschland zu vergleichen. Nicht wegen der Höhe der Opferzahl, die ist unter Umständen sogar die höhere, sondern weil in Deutschland der Mord industriell vonstatten ging, während Japans Kriegsverbrechen willkürlich und ohne ausdrücklichen Befehl von ganz oben stattfanden. Der japanische Befreier Asiens von der Knechtschaft der Europäer wurde zur Geißel eines ganzen Kontinents. Die asiatische Wohlstandssphäre zum blanken Hohn gegenüber Millionen von Opfern.

Ein trauriger Höhepunkt ist das Massaker von Nanjing. Im Dezember 1937 besetzten japanische Truppen die Stadt und massakrierten ca. 300 000 Menschen. Da japanische Archive hierzu nach wie vor geschlossen sind und es nur relativ wenige Augenzeugenberichte von westlichen Beobachtern gibt, ist diese Zahl nicht unbedingt auch zwangsläufig richtig. Die konservativen, teils nationalistischen Behauptungen aus Japan es seien 200 000, 100 000 oder sogar noch weitaus weniger gewesen sind gefährlichste Verharmlosung. Da erscheint es allerdings nicht verwunderlich, dass Geschichtsbücher zugelassen worden sind, die das Massaker als Zwischenfall herunterspielen und nur kurz erwähnen. Ebenso wird das Massaker im Friedensmuseum von Hiroshima nur kurz erwähnt. Eine richtige Aufarbeitung der Kriegsschuld fand nie statt, eher sieht man sich in der Rolle des Opfers der Atombombe.

Das Makabre daran: es wird mit Leichen Außenpolitik betrieben. Die Toten von Hiroshima und Nagasaki sollen um jeden Preis höher sein als die Opfer von Nanjing. Nach dem Motto: „Wir sind doch alle Opfer.“ Klar, beides sind Kriegsverbrechen, aber die Japaner haben den Wahnsinn begonnen. Mit den Seelen der Opfer zu schachern ist geschmacklos und beschämend.

Desweiteren wurde von zwischen 20 000 und 80 000 Frauen und Mädchen berichtet, die systematisch vergewaltigt wurden. Besonders grausam wie eine ausländische Augenzeugin berichtet, dass ein 12-jähriges Mädchen nachts von zu Hause verschleppt wird, um dann von mehreren japanischen Soldaten vergewaltigt zu werden. Wenn sie sich gewehrt haben, wurden sie auf der Stelle mit dem Schwert gerichtet. Nackte, bloße Frauen- oder Mädchenkörper ohne Kopf. Der Krieg hatte selten ein perverseres und unmenschlicheres Gesicht als in Nanjing.

Insgesamt wurden in China während der japanischen Besatzung 3 Millionen Menschen umgebracht, in ganz Asien starben Schätzungen zu Folge 6 bis 10 Millionen Menschen durch die japanische Gewaltherrschaft. Makabres Detail: 20 000 Koreaner starben im Zuge der Atombombe von Hiroshima, weil sie als Arbeitssklaven verschleppt wurden.

Bis heute hat sich kein japanischer Ministerpräsident offiziell für die Kriegsopfer entschuldigt…

Parasiten-Singles oder die „Paras“

Juli 4, 2007

Die „Paras“, wie sie in Japan kurz genannt werden, sind ein neues gesellschaftliches Problem, das seit Platzen der bubble economy (90er) vermehrt auftritt. (Problem aus Sicht des japanischen Staates)

Yamada Masahiro hat aufgrund dieser Entwicklung das Buch “Das Zeitalter der Parasiten-Singles” (1999) veröffentlicht. Dort beschreibt er die Lebensweise dieser sozialen Gruppe Unverheirateter, die nach Bildungsabschluss und im Beruf stehend bei den Eltern wohnen (trotz Gehalt).
Diese Gruppe zählt ganze 10 % der japanischen Gesellschaft. Die Gründe sind: Einsparungen, das Einkommen wird zum Taschengeld, außerdem sind sie die wohlhabendste und zufriedenste soziale Gruppe. Sie werden von Haushaltspflichten entbunden und besitzen ihr eigenes Zimmer.
Der soziale Einfluss dieser Gruppe wird als Schädigung der Gesellschaft charakterisiert. Sie führen keinen eigenen Haushalt, benötigen kaum Gebrauchsgüter (Waschmaschine, etc.) und sind mitverantwortlich für Geburtenrückgang und Überalterung. Deutlich wird besonders die soziale Ungerechtigkeit, die zwischen “Parasiten-Singles” und Familien besteht. Diese Singles befinden sich noch in einer infantilen Regression, umso härter wird es dann werden, wenn sie die Betreuung der Eltern übernehmen und einen eigenen Haushalt führen müssen.
Diese Lebensführung wird von den Eltern der “Parasiten-Singles” allerdings ausdrücklich gewünscht. Sie wollen gepflegt werden von ihren leiblichen Kindern, dass dies allerdings die Familienbildung der „Paras“ unmöglich macht, wird nicht berücksichtigt. So muss der Staat aufkommen (was bei den unzureichend ausgebauten Sozialsystemen Japans unmöglich scheint).
In erster Linie ist es allerdings ein Krisenphänomen. Wohnungsnot, die Pflege der Eltern, Schwierigkeiten im Beruf machen es notwendig, dass die Kinder auf Wunsch der Eltern zu Hause bleiben.
Es ist nicht zu vergleichen wie mit dem deutschen „Hotel Mama“, denn in Deutschland ist dies keine Massenbewegung. Die Probleme (Kinderlosigkeit, niedrigeres Steueraufkommen, teilweise Wirtschaftsbremsung), die so ein soziales Verhalten haben kann, muss der Staat schultern. Bei so liberalen Verhältnissen wie in Japan könnte das allerdings zu einer Katastrophe führen.