Archive for the ‘Liebe’ Category

Der Valentinstag in Japan

Februar 16, 2011

Valentinstag in Japan – das ist so eine Sache für sich. Man kann ohne Frage sagen, dass dieses Ereignis noch stärker durchkommerzialisiert ist als in Deutschland beispielsweise. Während in Deutschland eher die Blumenlobby ihre Finger im Spiel hat, ist es in Japan die Süßwarenbranche, die massiv am Valentinstag mitverdient. Der Valentinstag (14.2.) ist außerdem ein Tag, an dem in Japan üblicherweise Frauen den Männern Schokolade schenken. Die Männer sind am sogenannten „White Day“ (14.3.) in der Pflicht diese Zuneigungsgeschenke zu erwidern. So kassiert man in Japan direkt an zwei Tagen ab. Außerdem ist es so, dass es in Japan dem Status des Beschenkten gegenüber verschiedene Arten von Schokolade gibt. Wir unterscheiden hier zwischen honmei choko (本命チョコ), giri choko (義理チョコ) und letzten Endes gibt es auch noch die my choko (マイチョコ). Was es mit diesen ganzen Unterkategorien auf sich hat, soll im Folgenden kurz beschrieben werden.

Honmei choko ist die Schokolade, die man gemeinhin seinem Geliebten oder seinem Partner schenkt. Also die „Tradition“, die auch im Westen ganz üblich ist. Allerdings ist diese Schokolade oftmals selbst gemacht, man kauft die Zutaten ein und kredenzt hieraus eine ganz spezielle Schokolade oder Süßigkeit, die schon beim bloßen Hinsehen offensichtlich macht, wie sehr sich die Person angestrengt hat. Diese Süßigkeit sollte dementsprechend nur ein Mal gemacht werden und sich von der gemeinhin als giri choko bezeichneten Schokolade unterscheiden.

Giri choko, die sogenannte „Pflicht-Schokolade“, ist meistens kleine gekaufte Schokolade, die man seinen Arbeitskollegen oder guten Freunden schenkt. Meistens ist diese gekauft, aber auch hier gibt es Unterschiede. Kauft man beispielsweise hochwertige Schokolade, dann zeigt das die besondere Stellung, die der Beschenkte für die Schenkende hat. Den Arbeitskollegen schenkt man daher nicht unbedingt die teuerste Schokolade, da das auch missverständlich gedeutet werden könnte. Wenn man außerdem seinen Arbeitskollegen Schokolade schenkt, dann muss man darauf achten, dass auch alle gleichwertige Schokolade bekommen. Der Friede in der Firma soll schließlich gewahrt werden. Dieses System der „Pflicht-Schokolade“ führt mitunter auch dazu, dass geradezu ein geheimer Wettstreit entbrennt, wer die meiste Schokolade sammeln kann. Für den dritten Typ gilt das hingegen nicht.

My choko bezeichnet die Praxis, dass sich Männer, die keine Schokolade bekommen haben, sich selbst Schokolade kaufen. Dies mag einerseits damit zusammenhängen, dass der gesellschaftliche Druck quasi Schokolade bekommen zu müssen hoch ist, andererseits auch damit, dass man sich selbst trösten will. Ein Mann, der nicht mal von Arbeitskollegen oder Freunden die giri choko bekommen hat, muss sich rechtfertigen, daher verschleiert man dies oftmals mit dem Kaufen einer eigenen Schokolade. In extremen Fällen wird auch selbst sehr hochwertige Schokolade hergestellt, was den Schein, dass man eine liebende und fürsorgliche Freundin hat, künstlich wahren soll.

In Japan ist das Fest der Liebe also auch eine Art sozialer Wettstreit, um die Zuneigung des anderen Geschlechts, der mit hohem sozialen Druck einhergehen kann, aber auch nicht muss. Die Süßwaren-Branche freut es aber sicherlich, dass der Absatz von Schokolade so hoch gehalten werden kann.

Radwimps

Februar 10, 2011

Ich habe sicherlich schon eine Ewigkeit nicht mehr über meine Liebe zu japanischer Musik und japanischen Bands geschrieben, also wird es wohl auch langsam mal Zeit das zu ändern. Die Band, die ich vorstellen möchte, nennt sich „Radwimps“ und ist augenblicklich mit dem Lied „Dada“ weit oben in den japanischen Oricon-Charts vertreten. Allgemein lässt sich sagen, dass „Radwimps“ wohl einer der wenigen Vertreter japanischer Rockmusik ist, die sich aktuell noch allgemeiner Beliebtheit in Japan erfreuen. Den Durchbruch schaffte die Band, die sich aus den englischen Slangwörtern „rad“ (toll, exzellent) und „wimp“ (Waschlappen) ihren Namen bastelte, mit dem vierten Album „Radwimps 4: Okazu no gohan“ (2006), was übersetzt so viel heißt wie „Beilagen-Gericht“ (ein Essen, das ausschließlich aus Beilagen besteht). Hierbei muss allerdings auch beachtet werden, dass „Okazu“ auch als vulgärer Ausdruck so viel wie „Wichsvorlage“ bedeuten kann. Das diese Doppeldeutigkeit zwar bemerkt, aber nicht unbedingt so vulgär auszulegen ist, zeigt eine Textstelle im Lied „Iin desu ka“ (Ist es in Ordnung?). „Wenn du die Beilage wärst, dann wäre ich 50 Schalen Reis. […] Übrigens, „Okazu“ (Beilage) hat keine schlechte Bedeutung, deshalb sei bitte nicht böse.“

Das eben genannte Album, das den Durchbruch bescherte, ist im übrigen musikalisch wertvollster Melodic Rock mit experimentellen Anflügen. Da wird teilweise Sprechgesang eingebaut, teilweise komplett Englisch gesungen (für Japan schon ein experimenteller Aspekt 😉 ) und teilweise wird sogar sehr schneller englischer Sprechgesang geboten. Gleichzeitig werden neben experimenteller Melodik auch ganz klassische Balladen geboten, die allerdings ohne große Orchester auskommen, sondern viel mehr durch die vorhanden Bandinstrumentalisierung bereits eine ausreichende emotionale Dichte erzeugen können. Ein Beispiel für die Experementierfreudigkeit der Band ist das Lied „Setsunarensa“, in dem englischer Sprechgesang mit einem japanischen Refrain kombiniert wird. Diese Top 5-Single spiegelt sehr viele, wenn auch nicht alle Facetten der Band wider. Zu Beginn heißt es da beispielsweise auf Englisch: I was about to fall into this place where I can never crawl up I shoud’ve been to Hollywood and meet Eddie Murphy and say ‚tike tike yo tike tike yo kiddy yo.

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Musik aus Miyako – Shimoji Isamu (下地勇)

Januar 30, 2011

Miyako, das ist eine kleine Inselkette im Süden der Präfektur Okinawa, also doch schon ein ganzes Stück weit weg von Japan. Die eigentlichen Sprachen der Präfektur Okinawa, die Ryukyu-Sprachen, werden gemeinhin zu der japanischen Sprachfamilie gezählt, allerdings würde niemand von den Hauptinseln einen Sprecher der Ryukyu-Sprachen verstehen können. Der Wortschatz mit gemeinsamen Wortursprung beträgt ca. 50 bis 60 Prozent. Von einer Ryukyu-Sprache an sich kann derweil gar nicht geredet werden. Die Inselketten Miyako und Yaeyama sind derart weit südlich, dass zwar Verwandtschaft besteht, die Sprecher der unterschiedlichen Okinawa-Dialekte sich aber trotzdem nicht verstehen. Auf der Insel Miyako ist derweil das Problem des Aussterbens der Dialekte durch die Japanisierung der Inseln genau wie auf der Hauptinsel Okinawa gegeben. Handelt es sich doch ausserdem bei der Sprechergemeinschaft des Miyako-Dialekts um eine relativ kleine Gruppe. Während auch auf der Hauptinsel Okinawa versucht wird der Dialekt am Leben zu erhalten, singt der Sänger Shimoji Isamu ganz ausschließlich im Miyako-Dialekt. Dies ist wesentlich intensiver als wenn Bands einfach nur ein paar Okinawa-Wörter einstreuen. Ich persönlich muss sagen, dass ich kein einziges Wort verstehe, von dem was Shimoji Isamu singt, ABER da ich des Japanischen mächtig bin, kann ich die Untertitel lesen und den Text übersetzen.

Shimoji Isamu – Obaa 下地勇 おばぁ

„Mein Liebster, wieso hast du mich, ohne auch nur Lebewohl zu sagen, ganz allein gelassen und bist vor mir gestorben?“ Das Gesicht des kalt werdenden Ojii (Opa, auf Okinawa auch: alter Mann) streichelnd, beginnen aus obaas (Oma, auf Okinawa auch: alte Frau) Augen Tränen zu fallen.

„Obwohl wir bis heute durch alle Zeiten immer zu zweit gegangen sind. Wieso nur? Obwohl es hier und dort im Haus noch nach dir riecht, wieso schweigst du und stirbst einfach vor mir? Das Zuckerrohr, das du gepflanzt hast, das Feld, um das du dich immer gekümmert hast, die Pferde und die Ziegen, die du gehütet hast. Was soll denn aus mir werden, wenn du nicht mehr da bist? Bitte wach auf. Bitte wach auf, sieh mir ins Gesicht und lächle doch!“

Ihr Liebster starb und obaa verkaufte die Pferde und die Ziegen. So war ausser obaa niemand mehr im Haus. Wenn es Nacht wurde, aß sie ganz allein ihr Abendessen, während sie ob der Einsamkeit jeden Tag weinte. „Der Fisch, den du kochst, schmeckt am besten!“, sagtest du, während du Awamori (Okinawa-Schnaps) trankst und lachtest. Als wäre es erst gestern gewesen. „Ich koche dir so viele Fische, wie du willst. Wenn du nur wieder hierher zurückkommst…“

Die Zeit verging. Als der kühle Südwind zu wehen begann, richtete Obaa ihren gebeugten Rücken wieder auf. Keine Kinder und keine Verwandten mehr, um die sie sich kümmern müsse. Sie lächelte glücklich. Obaa , führ auch ab jetzt und für immer ein langes und gesundes Leben.

Von Fleischfressern und Vegetariern

Juni 5, 2010

Wenn man in Japan von „Fleischfressern“ (nikushokukei) und „Vegetariern“ (soushokukei) spricht, so sind dabei nicht nur die offensichtlichen Bedeutungen verbunden, sondern auch, oder sogar eher, zwei Typen von Männern. Nikushokukei beschreibt den Mann, der offen ist, seine Meinung sagt und auch nicht verschüchtert wirkt, wenn er Umgang mit Frauen hat. Eigentlich das, was man sich gemeinhin als genderspezifisch „männlich“ vorstellt. Dieser Typ war in Japan bis hinein in die Achtziger weit verbreitet und daher gab es diese Unterscheidung zwischen den beiden Typen nicht. Die Entwicklung zu den soushokukei-danshi (Vegetarier-Typ) ist eine Entwicklung, die den zunehmenden Verlust von traditionellen Rollenbildern in Japan widerspiegelt. Mit dem Platzen der Bubble-Economy in Japan Anfang der Neunziger und der ewigen Rezession wurden Prinzipien wie die lebenslängliche Beschäftigung (kein Arbeitsplatzwechsel), das Senioritätsprinzip (mit zunehmenden Alter bekommt man mehr Geld) und die betriebsbezogene Wohlfahrt und Altersvorsorge mit einem Mal Geschichte. Das Bild des starken Mannes lag in Trümmern, zugleich gab es Bewegungen wie die Musikrichtung Visual Kei, die Geschlechtsbilder bewusst verwässerten oder mischten. Plötzlich trat also auch ein neuer Typ Mann auf. Der zurückhaltende, verschüchterte und stets freundlich-desinteressiert wirkende soushokukei-danshi. Die Frage ist nun, ob diese Entwicklung in Japan negativ bewertet wird. Wird sie nicht. (more…)

Tokyo-Reise

März 31, 2010

Verrückt. Eigentlich dachte ich net dran nochmal nen Kurztrip nach Tokyo zu starten, aber da eine koreanische Freundin mir ein Zimmer zur Verfügung stellte, war ich dann doch bereit eine kleine Reise zu unternehmen. Schließlich gab es außer Flugkosten und Verpflegung nicht mehr wirklich was groß zu besorgen. Da eben besagte Korea-Tante aber ein verdammter Stubenhocker und dazu noch ziemlich beschäftigt mit Arbeit war, musste ich mir jemanden suchen, der mich ein wenig durch Tokyo führen könnte. Also mal einschlägige Japan-Rest der Welt-Austauschseiten abgeklappert und dann doch eine Nachricht von einem Mädel aus Tokyo gekriegt, die selber Deutsch lernt, ziemlich gut Englisch kann und mich liebend gerne durch Tokyo führen würde. Da sag ich natürlich nicht nein. Nach zwei Tagen der Treffen stellte sich heraus, dass sie von der besten Uni Japans ist und Tiermedizin studiert. Hinzu kam, dass die Gute noch ziemlich süß und gut erzogen war. Da lässt man sich ja nicht lange bitten als Mann. Vorsicht war dennoch geboten. Mit der Tür ins Haus fallen wie bei einer ganz normalen Durchschnittsjapanerin war da nicht. Eigentlich war ich auch nicht wirklich aus was aus und wenn dann müsste es schon das volle Programm sein. Entweder ganz oder gar nicht. Nach einer Weile des Dauer-Datens inklusive eines Besuches in Disneyland (wo ich sicher nicht für jede Frau hingegangen wäre!), wo sich zufällig unsere Lippen trafen, stand der letzte Abend bevor. (more…)

Könnten wir uns in unseren Träumen treffen?

Januar 26, 2010

Könnten wir uns in unseren Träumen treffen, dann wäre wenigstens noch ein Teil von dir bei mir. Du wirst die erste auf dieser Insel, die voller Menschen ist und doch so einsam macht, die mir mein Herz wenigstens einen Spalt weit öffnen konnte. Letzten Endes war es deine Blödheit und mein Stolz, die uns trennten. Die ganze Geschichte ist ein zerplatzter Traum, dabei haben wir die ganze Zeit doch gemerkt, dass wir uns mögen. Was sich liebt, neckt sich. In dem Fall hätten wir wohl noch unzählige glückliche Jahre verbracht. Letzten Endes habe ich mich dagegen entschieden ewig auf ein Zeichen von dir zu warten und eine andere Frau gefunden. In diesem Moment habe ich dich verloren. Nichts als blanker Hass, den wir austauschen können. Nichts als Tränen, die uns bleiben. Über unsere eigene Blödheit, über unser verfluchtes, traumartiges Schweigen. Wie ein unglaublich schönes Damoklesschwert hängst du über meinen Bett, wenn ich schlafen will. Wie ein Brandmal ist dein trauriges Gesicht von unserem letzten Treffen in die Decke eingebrannt, die ich nachts stundenlang anstarre. Ein bleiches, trauriges Gespenst, dass den Rücken der neuen Frau hochschleicht und wie eine zauberhaft verfluchte Zentnerlast auf meinen Schultern liegt. Wenn wir uns jetzt noch in unseren Träumen treffen könnten, dann nur als heimsuchende Geister der Vergangenheit. (more…)

Suchtmensch

November 20, 2009

Sucht, dass ist für viele Menschen in erster Linie Drogensucht, Fettsucht, etc. in erster Linie also in irgendeiner Weise ein zwanghafter Überkonsum. Doch ich bin der Ansicht, dass Sucht von Suche kommt. Die Definition von Sucht ist kulturell vielfältig. Doch im Endeffekt ist jeder Mensch ein Suchtmensch. Sucht ist Suche nach einem Sinn für ein sinnloses Leben. Da ist es völlig egal, wo der Mensch den Sinn zu erkennen glaubt. Seien es Drogen, sei es Vergnügen, sei es Essen. Oder Liebe. (more…)

Als der Sommer ging

November 12, 2009

Als der Sommer ging, nahm er mich mit. Er flog mit mir durch die halbe Welt und machte keine Anstalten zu halten. Ich ging mit einem sommerlich sonningen Lächeln und genoß seine Anwesenheit. Der Sommer hat mich nie alleine gelassen. Zumindest mich nicht.

Du sitzt an deinem Fenster in deinen warmen Sachen und sehnst dich nach dem Sommer zurück. Als der Sommer dich verließ, warst du zwar darauf vorbereitet, aber du wolltest doch nicht, dass er geht. An dem Ort, an dem du bist, wechseln die Jahreszeiten und der Sommer kommt nur gelegentlich zu Besuch. Du, als Kind des Sommers, mit deinem sonnigen Lächeln, hast dein Lächeln verloren, denn der Winter hat deine Gesichtszüge eingefroren. Aber ob du dem Sommer eine eisige Träne nachweinst, weiss ich nicht. Ich würde es mir wünschen. Vielleicht denkst du aber auch, dass ich dir den Sommer gestohlen habe. Ich ihn fortnahm und nicht er mich. Einem von mir gestohlenen Sommer würdest du sicher keine eisigen Tränen nachweinen. Dann würdest du auch sicher nicht an deinem Fenster sitzen und an den verlorenen Sommer denken. Du wärest draußen mit deinem Sommer-Lächeln, die Kälte schmelzen und die Jahreszeiten einfach weiterfließen lassen.  (more…)

Der Spiegel

November 8, 2009

Die Sachen in meinem Schrank wirken so einsam. Ich weiss nicht genau wieso, aber es scheint, als würden sie jede Nacht weinen. Jeden Tag hänge ich sie draußen auf. Der warme Wind trocknet ihre Tränen, aber nachts hör ich aus meinem Schrank immer wieder ihr Schluchzen. Dennoch weckt es mich nicht, weil ich selber nicht die Augen schließe. Also sitze ich nachts da und tröste die durchnässten Sachen. Vielleicht wäre es einfacher sie einfach in den Trockner zu tun, aber ein Trockner kann nicht trösten. Ein Trockner kann Tränen trocknen, aber er versiegelt nicht die Quelle. Meine Sachen vermissen es gestapelt neben deinen Sachen zu liegen.

Wenn es nicht so wäre, würde meine Zahnbürste nicht so einsam dreinblicken, wenn ich sie morgens in die Hand nehme. Neben ihr ist bereits eine neue Zahnbürste, aber deine Zahnbürste scheint wohl etwas Besonderes gewesen zu sein. Mit der fremden Zahnbürste ist sie vielleicht nicht alleine, aber die Definition von Einsamkeit geht über das Alleinsein weit hinaus. Dinge sind nicht einfach nur Materie, sie sind das, was wir ihnen an Bedeutung zuschreiben, insofern ist die Welt, bist du, ist die fremde Zahnbürste viel mehr als ein Stück Materie. Ich will mir das nicht eingestehen, aber wenn ich morgens in den Spiegel sehe, sehe ich dich, obwohl oder gerade weil du nicht da bist. Dabei spiegelt ein Spiegel doch nur die materielle Welt ab. Aber in meiner Welt erscheinst du im Spiegel und legst deine Arme um meine Schulter. In meiner Welt tröste ich leblose Dinge, aber eigentlich tröste ich mich selbst. Auch meine Sachen sind nur Dinge, die etwas reflektieren, was Bedeutung trägt. Alles ist irgendwo ein Spiegel.

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Hass?

Oktober 13, 2009

Je mehr ich drüber nachdenke, je ferner du mir bist, umso mehr hasse ich dich. Dafür dass du mich alleine gelassen hast, obwohl ich nicht alleine sein wollte. Jeden Morgen lese ich deinen letzten Brief und er tut jedes mal weh, für mich ist er voller Ausreden, voller Lügen, ohne Erklärungen. Die Wahrheit verbirgt sich nicht hinter deinen unehrlichen Worten, aber sie verbirgt sich auch nicht hinter meinen hasserfüllten Gedanken. Die Wahrheit kennt keiner von uns beiden wirklich. Wahrscheinlich weisst du selber nicht, wieso du mich allein gelassen hast. In deinem Brief waren nur einige Worte, die besagten, was du vielleicht wirklich dachtest. Nämlich, dass es dir wichtiger war mich nicht zu verletzen als mich früher zu verlassen. Für diese Worte hasse ich dich. Ich hasse Mitleid. Erst recht brauche ich kein Mitleid von dir. Mitleid lindert meinen Schmerz nicht, Mitleid verspottet meinen Schmerz. Es ist wie immer. Den Schmerz kann ich nicht überwinden durch deine Worte, ich kann ihn nur vergessen, wenn es dich für mich nicht mehr gibt. Wenigstens hasse ich dich dann auch nicht mehr.