Archive for the ‘Lyrik’ Category

Musik aus Miyako – Shimoji Isamu (下地勇)

Januar 30, 2011

Miyako, das ist eine kleine Inselkette im Süden der Präfektur Okinawa, also doch schon ein ganzes Stück weit weg von Japan. Die eigentlichen Sprachen der Präfektur Okinawa, die Ryukyu-Sprachen, werden gemeinhin zu der japanischen Sprachfamilie gezählt, allerdings würde niemand von den Hauptinseln einen Sprecher der Ryukyu-Sprachen verstehen können. Der Wortschatz mit gemeinsamen Wortursprung beträgt ca. 50 bis 60 Prozent. Von einer Ryukyu-Sprache an sich kann derweil gar nicht geredet werden. Die Inselketten Miyako und Yaeyama sind derart weit südlich, dass zwar Verwandtschaft besteht, die Sprecher der unterschiedlichen Okinawa-Dialekte sich aber trotzdem nicht verstehen. Auf der Insel Miyako ist derweil das Problem des Aussterbens der Dialekte durch die Japanisierung der Inseln genau wie auf der Hauptinsel Okinawa gegeben. Handelt es sich doch ausserdem bei der Sprechergemeinschaft des Miyako-Dialekts um eine relativ kleine Gruppe. Während auch auf der Hauptinsel Okinawa versucht wird der Dialekt am Leben zu erhalten, singt der Sänger Shimoji Isamu ganz ausschließlich im Miyako-Dialekt. Dies ist wesentlich intensiver als wenn Bands einfach nur ein paar Okinawa-Wörter einstreuen. Ich persönlich muss sagen, dass ich kein einziges Wort verstehe, von dem was Shimoji Isamu singt, ABER da ich des Japanischen mächtig bin, kann ich die Untertitel lesen und den Text übersetzen.

Shimoji Isamu – Obaa 下地勇 おばぁ

„Mein Liebster, wieso hast du mich, ohne auch nur Lebewohl zu sagen, ganz allein gelassen und bist vor mir gestorben?“ Das Gesicht des kalt werdenden Ojii (Opa, auf Okinawa auch: alter Mann) streichelnd, beginnen aus obaas (Oma, auf Okinawa auch: alte Frau) Augen Tränen zu fallen.

„Obwohl wir bis heute durch alle Zeiten immer zu zweit gegangen sind. Wieso nur? Obwohl es hier und dort im Haus noch nach dir riecht, wieso schweigst du und stirbst einfach vor mir? Das Zuckerrohr, das du gepflanzt hast, das Feld, um das du dich immer gekümmert hast, die Pferde und die Ziegen, die du gehütet hast. Was soll denn aus mir werden, wenn du nicht mehr da bist? Bitte wach auf. Bitte wach auf, sieh mir ins Gesicht und lächle doch!“

Ihr Liebster starb und obaa verkaufte die Pferde und die Ziegen. So war ausser obaa niemand mehr im Haus. Wenn es Nacht wurde, aß sie ganz allein ihr Abendessen, während sie ob der Einsamkeit jeden Tag weinte. „Der Fisch, den du kochst, schmeckt am besten!“, sagtest du, während du Awamori (Okinawa-Schnaps) trankst und lachtest. Als wäre es erst gestern gewesen. „Ich koche dir so viele Fische, wie du willst. Wenn du nur wieder hierher zurückkommst…“

Die Zeit verging. Als der kühle Südwind zu wehen begann, richtete Obaa ihren gebeugten Rücken wieder auf. Keine Kinder und keine Verwandten mehr, um die sie sich kümmern müsse. Sie lächelte glücklich. Obaa , führ auch ab jetzt und für immer ein langes und gesundes Leben.

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Kagerou – Kurohata

April 11, 2010

Als sich Kagerou vor einiger Zeit auflöste, hinterließen sie mit „Kurohata“ wohl ihr bemerkenswertes Album. In einer Kritik wurde das Album zwar als mäßig gut betitelt und besonders für seine wunderbaren Bassläufe gelobt, allerdings fehlt bei jeder Kritik des Albums die lyrische Tiefe, die dieses Konzeptalbum mit sich bringt. „Kurohata“ heißt „schwarze Flagge“ und steht ganz klar für das Thema des Albums. Paradox würde man es vielleicht nennen, es ist aber viel mehr aber eine Konfrontation mit gängigen Bildern und das Spiel mit Worten durch Umkehrungen, was die lyrische Tiefe des Albums ausmacht. Anstatt einer weißen Flagge, wird eine scheinbar konträr und zugleich bedeutungsleere schwarze Flagge gehisst. Betrachtet man alleine die Titel „Untergehender Himmel“, „Melancholie einer Nutte“, „gefallener Traum“ und die anderen, dann wird klar, dass Kagerou gängige Wortbilder aufbrechen will. Der Himmel geht nicht unter, die Welt vielleicht oder die Sonne, aber der Himmel? Eine Nutte hat nicht melancholisch zu sein, welcher Freier würde sich so eine Frau auch nehmen? Träume sind nicht dazu da zu fallen, Träume sind da um verfolgt zu werden. Sie scheinen unerreichbar, aber niemals fallen sie und werden wertlos.

So erscheint der Titel „Tonarimachi no kanojo“ (Freundin aus der Nachbarstadt) fast schon harmlos vom Titel her, aber der Titel gibt derart viel an lyrischer Klasse wieder, dass er nicht umsonst eine Singleauskopplung des Albums war. Die Hauptzeile lautet da etwa „Die Nachbarstadt ist viel zu weit, auch wenn man mit dem Zug nur eine Station fährt. Die Nachbarstadt ist viel zu weit, auch wenn man zu Fuß in 5 Minuten dort ist.“ Die Entfernung ist abseits der real erfahrbaren Entfernung einer Strecke von A noch B eine Metapher für die emotionale Entfernung zwischen zwei Menschen. Die Freundin aus der Nachbarstadt ist schweigsam, sagt nichts, ist scheinbar emotionslos und diese Dinge machen es für den Protagonisten so schwer in die Nachbarstadt zu fahren. Die Nachbarstadt ist „real“ nah, aber zugleich eine andere Welt. Mit diesem Text stellt die Band nicht nur eine Metapher auf, sondern führt das Bild von der Realität ad absurdum. Nähe und Ferne sind subjektive Dinge, die sich nicht an Bahnstationen oder Minuten messen lassen. Am Ende des Liedes scheint dann doch ein Hoffnung durch, als der Ich-Erzähler sagt „Ich laufe jetzt zur Nachbarstadt, auch wenn ich nicht weiss, was passieren wird“. Schweigsamkeit muss wie eine Stadtgrenze erstmal überwunden werden, bevor man sich wirklich nah fühlt. Hier hisst man keine weiße Flagge, sondern die schwarze Flagge.

Frühling

April 22, 2009

Ja, da hab ich heute meinen Freund Rojo tatsächlich die einzigen Gedichtzeilen beibringen können, die ich mir behalten habe. „Er ist’s“ von Eduard Mörike:

Frühling lässt sein blaues Band

Wieder flattern durch die Lüfte.

Süsse, wohlbekannte Düfte

Streifen ahnungsvoll das Land.

Jupiter Jones – Oh hätt ich dich verloren

Februar 5, 2009

Es war nicht wirklich mehr als ein Zufall, dass meine Schwester das Jupiter Jones-Album „Entweder geht diese scheussliche Tapete – oder ich…“ mal auf meinen PC importierte, so war ich ein wenig verdutzt, als ein Lied von dieser feinen kleinen Indie-Band von ITunes abgespielt wurde. Man muss allerdings sagen, dass ihre Lieder wirklich astrein und wirklich hörenswert sind. Meine Schwester scheint halt Musikgeschmack zu haben. 😉 (more…)

Die Scheiße

Januar 31, 2009

von Hans Magnus Enzensberger

Die Scheiße

Immerzu höre ich von ihr reden
als wäre sie an allem schuld.
Seht nur, wie sanft und bescheiden
sie unter uns Platz nimmt!
Warum besudeln wir denn
ihren guten Namen
und leihen ihn
dem Präsidenten der USA,
den Bullen, dem Krieg
und dem Kapitalismus?

Wie vergänglich sie ist,
und das was wir nach ihr nennen
wie dauerhaft!
Sie, die Nachgiebige,
führen wir auf der Zunge
und meinen die Ausbeuter.
Sie, die wir ausgedrückt haben,
soll nun auch noch ausdrücken
unsere Wut?

Hat sie uns nicht erleichtert?
Von weicher Beschaffenheit
und eigentümlich gewaltlos
ist sie von allen Werken des Menschen
vermutlich das friedlichste.
Was hat sie uns nur getan?

Rakuen(楽園)-Sads

Oktober 14, 2008

Rakuen/楽園 – Paradies

Schau mal, ich schließe die Augen, denn der Himmel außerhalb des Fensters ist düster. Es ist zu bedrückend, selbst man nur hinaufblickt, ist es fürchterlich. Also lass uns hinausgehen, weil ich nur noch zittere und genug davon habe.

SO SWEET, Schönheit, du verstehst mich.

Schau mal, ich öffne die Augen und dort hinten im Himmel ist die Zukunft. Der hell duftende Honig zerging, als er auf die Zunge fiel.

Wenn nur wenig ist, kann man im Herzen eine Sache wie einen Traum zeichnen. Du? Du? Der düstere Himmel, auf den du aus dem friedlichen, todtraurigen Paradies herabblickst.

SO SWEET Das Ende des Glücks. Erreiche es schnell noch über den Himmel hinaus.

Immer noch mit mir, kannst du sanft ein Märchen auf deinen Rücken zeichnen. Der düstere Himmel, der sich in den Erinnerungen ändert, nachdem du dir aus Scham die Hände fesseltest.

Irgendwann vergessen wir das Versprechen, das wir uns nicht geben konnten und den Kuss wenigstens endgültig. Glückseligkeit. Der Himmel, den es auch im großmütigen, zum Verrückt werden traurigen Paradies nicht gibt. Der düstere Himmel. Der blaue Himmel. (more…)

Gefühlsdeponie

Oktober 7, 2008

Ein Trümmerhaufen der Herzen,
nebst Sammelstelle für Schmerzen.
Bin ich hier richtig?
Wohin kann ich meine Liebe schmeißen?
Oder kann ich sie zerreißen?
Das ist nicht wichtig!

Ein Laster lädt Träume aus.
Vielleicht sollt ich einen stehlen.
Ich such mir einen schönen raus,
hier wird er keinem fehlen.
Doch die Lieb ist schwer zu tragen,
ich soll wohl nach dem Wege fragen.

„Was tragen SIE denn bei sich?“
„Meine Liebe“, sag ich.
„Liebe wird hier nicht vermüllt.“
sagt er als er Wut zerknüllt.

Gefühle werden zerrissen
durch riesige Fräsen.
Keiner wird sie vermissen
wenn sie verwesen.

Fuji Ayako „Murasaki Ujou“ (藤あや子のむらさき雨情)

September 29, 2008

Eigentlich bin ich ja nicht so der Typ, der auf Volksmusik steht. Mit dem Moment allerdings, in dem ich meinem Freund Bum-Bum Bumbelatik eine Enka-CD schenkte, bemerkte ich, dass diese Lieder, die fast immer mit japanischen Untertiteln unterlegt sind, wirklich ausgezeichnet zum Lernen der japanischen Sprache geeignet sind. (Was für ein Schachtelsatz…) So hab ich mir in einem Anfall von Motivation mal Fuji Ayakos „Murasaki Ujou“ (Das violette „Regengefühl“) vorgenommen, um es ins Deutsche zu übersetzen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich an manchen Stellen raten musste, weil ich entweder die traditionelle japanische Ausdrucksweise (bzw. Frauensprache) oder die lyrischen Wortspiele auch mit Wörterbuch nicht verstehen konnte.

Ich, die ich am Leben hänge, kann nicht mit dir gehen. Auf unseren Schirm tropft der Sprühregen unserer Liebe im späten Herbst und bleibt hängen.
Im violetten Regen…sind die durchsickernden Erinnerungen wohl die Tränen einer Frau, die einmal liebte?
Auch wenn es nur im Traum sein sollte, ich will immer an deiner Seite bleiben. (hier hab ich ein Zeichen nicht gefunden, deshalb musste ich raten^^) In einer Ecke meines Herzens brennt noch das Licht der Liebe, das sich danach verzehrt.
Im violetten Regen…werde ich durchnässt und weine. Ist das wohl das Herz einer Frau, die einmal liebte?

and I love you

Juli 14, 2008

Ich kann fliegen, genau wie du. Du musst nur deine Schwingen ausbreiten. Lass uns zusammen gehen, pack deine Sachen zusammen und beeil dich. Denkst du, dass du mir folgen kannst ohne zurückzufallen? Du bist sanftmütig und ich gütig, wir beide spielen ein Theaterstück und es erschöpft uns völlig, doch… doch es hat immer noch eine Bedeutung. Was denkst du? Willst du mich noch? Ich frage mich, ob du das mit Sicherheit sagen könntest, wir haben uns doch nicht nur getroffen, um uns gegenseitig zu verletzen. Die einzige Antwort, die ich verstehen kann ist I love you and I love you and I love you.

Selbst wenn ich stottere, weil ich nicht weiss, ob ich glauben oder zweifeln soll… an ein Morgen ohne Sicherheit, an eine unreife Leidenschaft, trotzdem laufe ich das Rennen heute weiter. Schaffst du es mit mir durch das Gestern? Ich kann nicht mehr alleine fliegen, weil du mich leicht gemacht hast. Jetzt kann ich singen ohne mich zu schämen, ich kann singen, ich kann singen, ich kann singen I love you and I love you and I love you.

Manchmal brauche ich plötzlich das Gefühl allein zu sein. Ich starre vom Dach auf den Mond, ich realisiere, dass je stärker meine Gedanken an dich werden, umso mehr werde ich zum Feigling. Ich kann nicht ehrlich mit mir sein und gebe das auch zu. Aber ich fühlte, dass der Tag kommen würde, an dem du aufhören würdest mich zu belügen, so kam die Zukunft näher und wir machten einen Schritt vorwärts. I love you and I love you and I love you. (more…)

No Regrets

Juli 11, 2008

Diese Mal sehe ich einer ungezügelten Leidenschaft ins Auge. Es ist mir egal, ob es falsch oder richtig ist. Selbst wenn ich tief falle, macht es mir nichts aus. Selbst wenn ich nur nach Ungewissheit fasse, greife ich doch nach ihr… ohne es zu bereuen. Sag nicht, dass ich es aufgeben soll, dass ich endlich die Augen öffnen muss. Ich sehe und fühle mit meinem eigenen Herzen und du bist nicht ich. Wie kannst du mich dann verstehen? Selbst wenn ich nur nach der Ungewissheit fasse, lass mich doch diese Ungewissheit festhalten ohne es bereuen zu müssen. Ich bin nicht so perfekt, wie du das vielleicht denken magst. Manchmal kann ich auch nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden. Es ist nicht so, dass ich nicht am liebsten weglaufen würde vor der Ungewissheit, aber dieses Mal werde ich nicht weglaufen. Wessen Herz soll ich benutzen, um alles zu realisieren, um wieder in Kontakt zu kommen mit dem, was um mich herum geschieht? Nein, selbst wenn es Schmerz bedeutet, selbst wenn es Tränen mit sich bringt, es wird mein eigener Kummer bleiben. Wessen Herz könnte ich benutzen um die Realität wieder wahrzunehmen? Auch wenn ich müde bin, auch wenn ich nicht mehr weiter kann, ich kann weiterhin nach der Ungewissheit greifen… ohne es zu bereuen. (more…)