Archive for the ‘Musik’ Category

Japanischer Reggae? WTF!

Juni 4, 2011

So lautete ein Kommentar zu dem Lied „Lifetime Respect“ von Miki Douzan, der 2001 mit diesem Lied den ersten großen Reggae-Hit in Japan landete. Die Single verkaufte sich über 1 Millionen Mal und gilt dementsprechend immer noch als Klassiker des japanischen Reggae. Das Video bietet übrigens eine deutsche Übersetzung des Textes.

Ellegarden – Yubiwa (指輪)

März 3, 2011

Ich habe den Ring gefunden, den du früher immer haben wolltest, gefunden. Am Stadtrand in einem alten Geschäft, das ich zwar kannte, in das ich aber nie hineingegangen bin. Deine Fingergröße war doch die Nummer 9, oder etwa nicht? Das Einwickelpapier ist ein bisschen klein, oder? So was…

Wenn du nicht hier bist, hat nichts eine Bedeutung. Der Sternenhimmel, der vor der untergehenden Sonne verschwimmt, ist wirklich nur unnützer Kram. Auch die Tage, die du mir schenktest und die süßen Erinnerungen und deine Worte.

Diesen Menschen gibt es nicht mehr. Die Dinge, die man schätzen muss. Die mir verbliebene Zeit. Solche Dinge.

Wenn du nicht hier bist, hat nichts eine Bedeutung. Die angenehme Brise während der Sonnenstrahlen am Morgen ist auch nur noch unnützer Kram. Wenn du nicht da bist, ist die Welt nur eine leere Hülle.

Lass uns die Nächte verbringen, indem wir uns gegenseitig etwas erzählen. Wir verstanden uns so gut, dass uns das Verständnis bis in die Knochen durchdrang. Begegnungen, die bedeutungslos sind. Momente des Abschieds. Tage, die mich zum ersten Mal die brennende Sehnsucht in der Brust fühlen ließen.

Wenn du nicht hier bist, hat nichts eine Bedeutung. Warme Tage, neue Bekanntschaften. Alles unnützer Kram. Es wäre ausreichend, wenn nur du hier wärst. Aber das Schicksal ist eine fürchterlich zerbrechliche Sache.

Wenn wir uns das nächste Mal treffen sollten, übergebe ich dir den Ring. Wenn wir uns irgendwann mal treffen sollten, werde ich dich nie wieder gehen lassen.

Radwimps

Februar 10, 2011

Ich habe sicherlich schon eine Ewigkeit nicht mehr über meine Liebe zu japanischer Musik und japanischen Bands geschrieben, also wird es wohl auch langsam mal Zeit das zu ändern. Die Band, die ich vorstellen möchte, nennt sich „Radwimps“ und ist augenblicklich mit dem Lied „Dada“ weit oben in den japanischen Oricon-Charts vertreten. Allgemein lässt sich sagen, dass „Radwimps“ wohl einer der wenigen Vertreter japanischer Rockmusik ist, die sich aktuell noch allgemeiner Beliebtheit in Japan erfreuen. Den Durchbruch schaffte die Band, die sich aus den englischen Slangwörtern „rad“ (toll, exzellent) und „wimp“ (Waschlappen) ihren Namen bastelte, mit dem vierten Album „Radwimps 4: Okazu no gohan“ (2006), was übersetzt so viel heißt wie „Beilagen-Gericht“ (ein Essen, das ausschließlich aus Beilagen besteht). Hierbei muss allerdings auch beachtet werden, dass „Okazu“ auch als vulgärer Ausdruck so viel wie „Wichsvorlage“ bedeuten kann. Das diese Doppeldeutigkeit zwar bemerkt, aber nicht unbedingt so vulgär auszulegen ist, zeigt eine Textstelle im Lied „Iin desu ka“ (Ist es in Ordnung?). „Wenn du die Beilage wärst, dann wäre ich 50 Schalen Reis. […] Übrigens, „Okazu“ (Beilage) hat keine schlechte Bedeutung, deshalb sei bitte nicht böse.“

Das eben genannte Album, das den Durchbruch bescherte, ist im übrigen musikalisch wertvollster Melodic Rock mit experimentellen Anflügen. Da wird teilweise Sprechgesang eingebaut, teilweise komplett Englisch gesungen (für Japan schon ein experimenteller Aspekt 😉 ) und teilweise wird sogar sehr schneller englischer Sprechgesang geboten. Gleichzeitig werden neben experimenteller Melodik auch ganz klassische Balladen geboten, die allerdings ohne große Orchester auskommen, sondern viel mehr durch die vorhanden Bandinstrumentalisierung bereits eine ausreichende emotionale Dichte erzeugen können. Ein Beispiel für die Experementierfreudigkeit der Band ist das Lied „Setsunarensa“, in dem englischer Sprechgesang mit einem japanischen Refrain kombiniert wird. Diese Top 5-Single spiegelt sehr viele, wenn auch nicht alle Facetten der Band wider. Zu Beginn heißt es da beispielsweise auf Englisch: I was about to fall into this place where I can never crawl up I shoud’ve been to Hollywood and meet Eddie Murphy and say ‚tike tike yo tike tike yo kiddy yo.

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Musik aus Miyako – Shimoji Isamu (下地勇)

Januar 30, 2011

Miyako, das ist eine kleine Inselkette im Süden der Präfektur Okinawa, also doch schon ein ganzes Stück weit weg von Japan. Die eigentlichen Sprachen der Präfektur Okinawa, die Ryukyu-Sprachen, werden gemeinhin zu der japanischen Sprachfamilie gezählt, allerdings würde niemand von den Hauptinseln einen Sprecher der Ryukyu-Sprachen verstehen können. Der Wortschatz mit gemeinsamen Wortursprung beträgt ca. 50 bis 60 Prozent. Von einer Ryukyu-Sprache an sich kann derweil gar nicht geredet werden. Die Inselketten Miyako und Yaeyama sind derart weit südlich, dass zwar Verwandtschaft besteht, die Sprecher der unterschiedlichen Okinawa-Dialekte sich aber trotzdem nicht verstehen. Auf der Insel Miyako ist derweil das Problem des Aussterbens der Dialekte durch die Japanisierung der Inseln genau wie auf der Hauptinsel Okinawa gegeben. Handelt es sich doch ausserdem bei der Sprechergemeinschaft des Miyako-Dialekts um eine relativ kleine Gruppe. Während auch auf der Hauptinsel Okinawa versucht wird der Dialekt am Leben zu erhalten, singt der Sänger Shimoji Isamu ganz ausschließlich im Miyako-Dialekt. Dies ist wesentlich intensiver als wenn Bands einfach nur ein paar Okinawa-Wörter einstreuen. Ich persönlich muss sagen, dass ich kein einziges Wort verstehe, von dem was Shimoji Isamu singt, ABER da ich des Japanischen mächtig bin, kann ich die Untertitel lesen und den Text übersetzen.

Shimoji Isamu – Obaa 下地勇 おばぁ

„Mein Liebster, wieso hast du mich, ohne auch nur Lebewohl zu sagen, ganz allein gelassen und bist vor mir gestorben?“ Das Gesicht des kalt werdenden Ojii (Opa, auf Okinawa auch: alter Mann) streichelnd, beginnen aus obaas (Oma, auf Okinawa auch: alte Frau) Augen Tränen zu fallen.

„Obwohl wir bis heute durch alle Zeiten immer zu zweit gegangen sind. Wieso nur? Obwohl es hier und dort im Haus noch nach dir riecht, wieso schweigst du und stirbst einfach vor mir? Das Zuckerrohr, das du gepflanzt hast, das Feld, um das du dich immer gekümmert hast, die Pferde und die Ziegen, die du gehütet hast. Was soll denn aus mir werden, wenn du nicht mehr da bist? Bitte wach auf. Bitte wach auf, sieh mir ins Gesicht und lächle doch!“

Ihr Liebster starb und obaa verkaufte die Pferde und die Ziegen. So war ausser obaa niemand mehr im Haus. Wenn es Nacht wurde, aß sie ganz allein ihr Abendessen, während sie ob der Einsamkeit jeden Tag weinte. „Der Fisch, den du kochst, schmeckt am besten!“, sagtest du, während du Awamori (Okinawa-Schnaps) trankst und lachtest. Als wäre es erst gestern gewesen. „Ich koche dir so viele Fische, wie du willst. Wenn du nur wieder hierher zurückkommst…“

Die Zeit verging. Als der kühle Südwind zu wehen begann, richtete Obaa ihren gebeugten Rücken wieder auf. Keine Kinder und keine Verwandten mehr, um die sie sich kümmern müsse. Sie lächelte glücklich. Obaa , führ auch ab jetzt und für immer ein langes und gesundes Leben.

Biffy Clyro – Glitter and Trauma

Juli 14, 2010

Kagerou – Kurohata

April 11, 2010

Als sich Kagerou vor einiger Zeit auflöste, hinterließen sie mit „Kurohata“ wohl ihr bemerkenswertes Album. In einer Kritik wurde das Album zwar als mäßig gut betitelt und besonders für seine wunderbaren Bassläufe gelobt, allerdings fehlt bei jeder Kritik des Albums die lyrische Tiefe, die dieses Konzeptalbum mit sich bringt. „Kurohata“ heißt „schwarze Flagge“ und steht ganz klar für das Thema des Albums. Paradox würde man es vielleicht nennen, es ist aber viel mehr aber eine Konfrontation mit gängigen Bildern und das Spiel mit Worten durch Umkehrungen, was die lyrische Tiefe des Albums ausmacht. Anstatt einer weißen Flagge, wird eine scheinbar konträr und zugleich bedeutungsleere schwarze Flagge gehisst. Betrachtet man alleine die Titel „Untergehender Himmel“, „Melancholie einer Nutte“, „gefallener Traum“ und die anderen, dann wird klar, dass Kagerou gängige Wortbilder aufbrechen will. Der Himmel geht nicht unter, die Welt vielleicht oder die Sonne, aber der Himmel? Eine Nutte hat nicht melancholisch zu sein, welcher Freier würde sich so eine Frau auch nehmen? Träume sind nicht dazu da zu fallen, Träume sind da um verfolgt zu werden. Sie scheinen unerreichbar, aber niemals fallen sie und werden wertlos.

So erscheint der Titel „Tonarimachi no kanojo“ (Freundin aus der Nachbarstadt) fast schon harmlos vom Titel her, aber der Titel gibt derart viel an lyrischer Klasse wieder, dass er nicht umsonst eine Singleauskopplung des Albums war. Die Hauptzeile lautet da etwa „Die Nachbarstadt ist viel zu weit, auch wenn man mit dem Zug nur eine Station fährt. Die Nachbarstadt ist viel zu weit, auch wenn man zu Fuß in 5 Minuten dort ist.“ Die Entfernung ist abseits der real erfahrbaren Entfernung einer Strecke von A noch B eine Metapher für die emotionale Entfernung zwischen zwei Menschen. Die Freundin aus der Nachbarstadt ist schweigsam, sagt nichts, ist scheinbar emotionslos und diese Dinge machen es für den Protagonisten so schwer in die Nachbarstadt zu fahren. Die Nachbarstadt ist „real“ nah, aber zugleich eine andere Welt. Mit diesem Text stellt die Band nicht nur eine Metapher auf, sondern führt das Bild von der Realität ad absurdum. Nähe und Ferne sind subjektive Dinge, die sich nicht an Bahnstationen oder Minuten messen lassen. Am Ende des Liedes scheint dann doch ein Hoffnung durch, als der Ich-Erzähler sagt „Ich laufe jetzt zur Nachbarstadt, auch wenn ich nicht weiss, was passieren wird“. Schweigsamkeit muss wie eine Stadtgrenze erstmal überwunden werden, bevor man sich wirklich nah fühlt. Hier hisst man keine weiße Flagge, sondern die schwarze Flagge.

Dir en grey – Hageshisa to Kono Mune No Naka de Karamitsuita Shakunetsu No Yami

April 7, 2010

Lange nix mehr von Dir en grey gehört und dann liefern sie die beste Chartplatzierung ihrer Geschichte mit einem, nun ja sagen wir, unkonventiellen Lied ab. Das Lied schoss auf Platz 2 der japanischen Charts und wurde in Okinawa dementsprechend auch im Radio gespielt (allerdings nur wenn der Chartüberblick lief).

The Radwimps – Iindesu ka?

Januar 21, 2010

Ein Refrain, den auch Japanischanfänger verstehen dürften. 😉

Ist es okay, so eine Person zu lieben? Ist es okay, so einer Person zu vertrauen? Es ist okay, wenn es die Person ist, die du erwählt hast. Es ist okay, wenn es der Weg ist, den du gewählt hast.

Song for~ HY

November 21, 2009

Wenn es einen Sinn haben soll, dass wir uns getroffen haben, dann sag ich mir, dass es nur in diesem Moment schmerzt. Der Schmerz in meiner Brust zeigt mir nur wie sehr ich dich liebe. Auch wenn ich mich mittlerweile vor dem Lieben fürchte, wäre es doch kein Problem, wenn du es wärst, den ich liebe.
Die Gefühle, die ich nicht unterdrücken kann, verschwinden nicht. Wie eine Uhr kann ich nicht zurückkehren. Dich, nur dich allein liebe ich. Die Tage an denen, ich dich nicht sehen kann und die Nächte, in denen ich nicht schlafen kann, gehen weiter. In unserer Liebe gibt es so viele schwierige Dinge.
Weil wir so oft aneinander denken, ist die Verbindung zwischen uns unzertrennlich. Aber ich warte auf diesen Tag, an dem du erwachsen geworden bist.
Auch wenn es auf dieser Welt so viele Menschen gibt wie dich, bin ich dir begegnet, habe mich verliebt und auch wenn ich mich an dieses Gefühl schon gewöhnt habe, kann ich dich nicht sehen. Ich will dich sehen. Ich will dich jetzt sehen, ich will dich einfach nur sehen.
Obwohl ich zu dir will, kann ich nicht. An die Trauer erinnert, muss ich stärker werden. Ich muss stärker werden.
Egal wie oft du mir sagst, dass du mich liebst, weiss ich nicht, was die Zukunft bringt. Die Unsicherheit wird dann wohl auch nicht verschwinden. Ich will dich sehen, will dich sehen, jetzt will ich dich sehen. Wenn wir uns sehen, umarme mich bitte fest.
Auch wenn es auf dieser Welt so viele Menschen gibt wie dich, bin ich dir begegnet, habe mich verliebt und auch wenn ich mich an dieses Gefühl schon gewöhnt habe, kann ich dich nicht sehen. Ich will dich sehen. Ich will dich jetzt sehen, ich will dich einfach nur sehen.

HY

November 10, 2009

Schon lange nix mehr über Musik geschrieben, dabei ist mir jetzt eine wirklich gute Crossover-Indie-Band mit dem Namen „HY“ unter die Finger gekommen. Natürlich sind die 5 aus Okinawa, wie soll es denn auch sein, so wurden mir letztens erstmal zwei Miss Japan (die eine war wohl sogar Miss Universe) vorgestellt, die in jüngster Zeit aus Okinawa stammen. Die Bemerkung dazu war, dass Okinawa irgendwo das exotische Japan ist und dass die Lebenseinstellung sich doch in gewisser Weise genau wie die Ausstrahlung der Menschen von Gegenden wie Tokyo unterscheidet und daher als besonders exotisch angesehen wird. „HY“ steht als Musikformation in so namhafter Gesellschaft wie „High and Mighty Color“, Amuro Namie, Kiroro oder auch Gackt. Dafür, dass Okinawa mit eine der kleinsten Präfekturen Japans ist, ist der Ausstoß an Künstlern und Berühmtheiten doch überproportional hoch. Mir ist ebenso aufgefallen, dass das typisch Okinawa-spezifische Instrument, die San-shin, sich nach wie vor doch großer Beliebtheit erfreut, was sicherlich auch mit damit zusammenhängt, dass moderne Künstler dieses traditionelle Instrument in ihre Lieder sinnvoll mit einbeziehen. Berühmtestes Beispiel ist sicher „Shima Uta“, aber auch HY bedienen sich in folgendem Lied der San-shin.