Archive for the ‘Okinawa’ Category

„Super Biz Cool“ – Kariyushi Wear auf dem Vormarsch

Juni 2, 2011

Ich war doch ein wenig verwundert, als ich auf Spiegel Online las, dass die japanische Regierung zwecks Stromnot die Angestellten in Tokyo dazu ermutigen will, statt Business-Anzügen die „japanische Version der Hawaii-Hemden“ zu tragen. Diese japanische Version ist in Wirklichkeit ein Produkt Okinawas. Kariyushi heißt im Okinawa-Dialekt „Glück“ oder „Freude“ und in diesem Zusammenhang von „japanischer“ Mode zu sprechen, ist schon ein wenig vermessen, da die Verbreitung dieser Hemden auf den Hauptinseln doch eher marginal ist. Außerdem werden distinktiv Okinawa-typische Stilelemente verwendet. Die als neu wirkende Idee Angestellten diesen Dresscode nahe zu bringen wurde bereits von Premierminister Koizumi unter dem Slogan „Biz Cool“ aufgegriffen. Jetzt, 3 Jahre später, spricht die Regierung von „Super Biz Cool“ um der Forderung noch einmal Nachdruck zu verleihen.

Ich will jetzt hier gar nicht von oben herab Okinawa stilisieren, aber ich denke, dass es legitim ist, die verkürzte Darstellung des Spiegel ein wenig gerade zu rücken. Das was gerade in Japan versucht wird, ist in Okinawa bereits normal. Angestellte im öffentlichen Sektor sind gezwungen, die Kariyushi Wear zu tragen. Diese Regel ist bislang auf die Präfektur Okinawa begrenzt, aber scheinbar hat man erkannt, dass dies auch zu Einsparungen bei den Kosten für die Klimaanlagen führen kann und will die ganze Sache in Hinblick auf die drohenden Stromengpässe auch in Tokyo einführen. Da es sich aber scheinbar nur um eine Art Empfehlung ohne gesetzliche Vorgabe handelt, bleibt der Erfolg fraglich.

Ryukyuanism und Japaneseness

Februar 7, 2011

„Japaneseness“. Zu deutsch: Japanizität. Was beschreibt dieses Wort? Ganz einfach gesagt: Es gibt einen Diskurs darüber was Japan ist, was Japan sein sollte, wer zur Gemeinschaft Japan dazugehört und wer nicht. So gibt es eine populärwissenschaftliche Richtung in Japan, die sich „Nihonjinron“ (zu deutsch: Japan-Diskurs, Theorien über Japaner) nennt und die Besonderheit und die exklusiv japanischen Charakteristika in allen möglichen Bereichen des Lebens kennzeichnet. So gibt es beispielsweise Theorien über die Unvereinbarkeit von „westlichem“ und „japanischem“ Gedankengut beispielsweise in der Bioethik, etc. Soll das verwundern? Nicht wirklich. In einem Land, in dem Premierminister Nakasone den Erfolg des japanischen Wirtschaftmodells während der Bubble-Economy (Immobilienblase während dessen Höhepunkt der Wert des Grundstücks des Kaiserpalastes in Tokyo in etwa dem Wert von ganz Kalifornien entsprach) Ende der 80er damit, dass Japan im Gegensatz zu westlichen Staaten wie Amerika keine hohen Ausländeranteile an der Bevölkerung hat. Ethnische Homogenität als Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Wo Japan jetzt steht wissen wir. Seit 1992 gab es eine Niedrigwachstumsphase, die es in dieser Form sicherlich in Japan noch nie gab. Vom Musterschüler zum Sitzenbleiber.

Gleichzeitig ist das Denken nach wie vor unverändert ethno-zentrisch. Japaner glauben erkennen zu können, was typisch japanisch und was typisch ausländisch ist. Das Prinzip scheitert allerdings bereits bei fast komplett assimilierten Koreanern, die nach dem Krieg nunmehr in dritter oder vierter Generation in Japan leben. Egal wie Japanisch sie auch sein mögen, sie werden nie Japaner sein. Das amerikanische Prinzip der Korean Americans scheitert in Japan bereits an den Denkbarrieren der Mehrheitsgesellschaft. Die Selbstessenzialisierung der Japaner hat für Ausländer zur Folge, dass sie nie und nimmer als Japaner akzeptiert werden. Dem Ausländer hängt das Besondere im Kontrast zum besonderen Japanischen an. (more…)

Convenience Stores – Japanische „Konbinis“

Februar 5, 2011

Anders als in Deutschland, wo man spät abends oftmals hungrig und durstig die Nacht verbringen muss, gibt es diese Gefahr in Japan überhaupt nicht. Während man in Deutschland zur nächsten 24Stunden-Tankstelle laufen müsste, gibt es in Japan ein, sagen wir ultrakapitalistisches, Convenience Store-System, das die Japaner rund um die Uhr mit Getränken, Tabak, Fast Food, etc. versorgt. Dort kann man sogar Socken, Zahnbürsten etc. kaufen. Natürlich sind die Preise in den Konbinis nicht ganz ohne, aber andererseits auch noch nicht im Bereich der hiesigen Tankstellenpreise. Anders als Tankstellen oder auch Trinkhallen sind die Konbinis ausnahmslos rund um die Uhr (auch sonn- und feiertags) geöffnet. Genialerweise kann man in den Konbinis dazu noch mit Kreditkarte bezahlen! In Okinawa habe ich mir diverse Male einfach ne Flasche Cola und ne Packung Tabak mit meiner Visa-Kreditkarte besorgen können. Da kann man echt schon von Service-Wüste Deutschland sprechen. Gleichzeitig sind die Löhne im Konbini natürlich nicht wirklich ausreichend um sein Leben zu bestreiten, sodass meist lediglich Studenten (u.a. Studiengebühren bezahlen) und Hausfrauen als Part-Timer (u. a. um das Studium der Kinder zu bezahlen 😉 ) im Konbini arbeiten. Ich war jedenfalls heilfroh, dass direkt vor unserem Wohnheim so ein Konbini war (dagegen war der nächste Supermarkt 30 Minuten weit weg, auf dem Weg dorthin lagen 3 Konbinis) und dieser Konbini hieß „Koko“. Man mag jetzt als klugscheißerischer Japanologie-Student oder impotenter Japanfachmann sagen: „Hey, so einen Konbini gibts gar net!“ Naja, den Konbini „Koko“ gibt es tatsächlich nur in der Präfektur Okinawa. Wieder was dazugelernt. An dieser Stelle noch eine Anekdote: Wenn wir im Taxi aus Naha zurück zum Wohnheim saßen, saß ich immer auf dem Beifahrersitz und durfte die Anweisungen geben, wohin wir denn müssten. Als wir bereits kurz vorm Wohnheim waren, zeigte ich auf den Konbini und sagte: „Koko de ii desu.“ (Am Koko is okay.) Ich meinte natürlich den Konbini. Dummerweise heißt „Koko“ auf Japanisch zugleich „Hier“, also ließ der Fahrer uns direkt 300 Meter vom Konbini aussteigen. Jedenfalls war das Konbini-System in seiner Kundenfreundlichkeit einfach unschlagbar und echt ein Gewinn. So konnte man selbst um 4 Uhr morgens noch Socken und/oder Zigaretten kaufen gehen. 😉  Das sahen auch einige andere Ausländer in Japan so und schrieben deshalb eine Ode an den Konbini.

Musik aus Miyako – Shimoji Isamu (下地勇)

Januar 30, 2011

Miyako, das ist eine kleine Inselkette im Süden der Präfektur Okinawa, also doch schon ein ganzes Stück weit weg von Japan. Die eigentlichen Sprachen der Präfektur Okinawa, die Ryukyu-Sprachen, werden gemeinhin zu der japanischen Sprachfamilie gezählt, allerdings würde niemand von den Hauptinseln einen Sprecher der Ryukyu-Sprachen verstehen können. Der Wortschatz mit gemeinsamen Wortursprung beträgt ca. 50 bis 60 Prozent. Von einer Ryukyu-Sprache an sich kann derweil gar nicht geredet werden. Die Inselketten Miyako und Yaeyama sind derart weit südlich, dass zwar Verwandtschaft besteht, die Sprecher der unterschiedlichen Okinawa-Dialekte sich aber trotzdem nicht verstehen. Auf der Insel Miyako ist derweil das Problem des Aussterbens der Dialekte durch die Japanisierung der Inseln genau wie auf der Hauptinsel Okinawa gegeben. Handelt es sich doch ausserdem bei der Sprechergemeinschaft des Miyako-Dialekts um eine relativ kleine Gruppe. Während auch auf der Hauptinsel Okinawa versucht wird der Dialekt am Leben zu erhalten, singt der Sänger Shimoji Isamu ganz ausschließlich im Miyako-Dialekt. Dies ist wesentlich intensiver als wenn Bands einfach nur ein paar Okinawa-Wörter einstreuen. Ich persönlich muss sagen, dass ich kein einziges Wort verstehe, von dem was Shimoji Isamu singt, ABER da ich des Japanischen mächtig bin, kann ich die Untertitel lesen und den Text übersetzen.

Shimoji Isamu – Obaa 下地勇 おばぁ

„Mein Liebster, wieso hast du mich, ohne auch nur Lebewohl zu sagen, ganz allein gelassen und bist vor mir gestorben?“ Das Gesicht des kalt werdenden Ojii (Opa, auf Okinawa auch: alter Mann) streichelnd, beginnen aus obaas (Oma, auf Okinawa auch: alte Frau) Augen Tränen zu fallen.

„Obwohl wir bis heute durch alle Zeiten immer zu zweit gegangen sind. Wieso nur? Obwohl es hier und dort im Haus noch nach dir riecht, wieso schweigst du und stirbst einfach vor mir? Das Zuckerrohr, das du gepflanzt hast, das Feld, um das du dich immer gekümmert hast, die Pferde und die Ziegen, die du gehütet hast. Was soll denn aus mir werden, wenn du nicht mehr da bist? Bitte wach auf. Bitte wach auf, sieh mir ins Gesicht und lächle doch!“

Ihr Liebster starb und obaa verkaufte die Pferde und die Ziegen. So war ausser obaa niemand mehr im Haus. Wenn es Nacht wurde, aß sie ganz allein ihr Abendessen, während sie ob der Einsamkeit jeden Tag weinte. „Der Fisch, den du kochst, schmeckt am besten!“, sagtest du, während du Awamori (Okinawa-Schnaps) trankst und lachtest. Als wäre es erst gestern gewesen. „Ich koche dir so viele Fische, wie du willst. Wenn du nur wieder hierher zurückkommst…“

Die Zeit verging. Als der kühle Südwind zu wehen begann, richtete Obaa ihren gebeugten Rücken wieder auf. Keine Kinder und keine Verwandten mehr, um die sie sich kümmern müsse. Sie lächelte glücklich. Obaa , führ auch ab jetzt und für immer ein langes und gesundes Leben.

Wer saufen kann, kann auch arbeiten

Mai 30, 2010

Endlose Zahlenkolonnen auf meinem Rechner. Das alles nur für meine Forschungsarbeit (20 Seiten) auf Japanisch. Dann kommt noch, dass ich Anfang Juli schon einen ziemlich großen und wichtigen Test habe, den ich auch erstmal bestehen muss. Eigentlich müsste man da sagen, wo nimmt der Mann die Zeit her noch zu saufen? Ehrlich gesagt, weiss ich es auch nicht so richtig, aber wie es so schön auf Deutsch heißt: „Wer saufen kann, kann auch arbeiten“. Im fast täglichen E-Mailverkehr mit meiner Lehrerin habe ich ihr versucht dieses Sprichwort in ein halbwegs verständliches Japanisch zu übersetzen. Letzten Endes hatte sie auf Japanisch ein viel besseres Sprichwort parat. Asobijouzu wa, benkyoujouzu.(遊び上手は、勉強上手) Wer besonders gut Spaß hat, ist besonders gut beim Lernen. Manchmal braucht man auch als Student einen kleinen Ausbruch aus den Zahlenkolonnen, die man Tag für Tag in Excel eintippt und aus denen man noch nicht so wirklich schlau wird. Man kann nicht jeden Tag vor Büchern sitzen und dabei glücklich werden. Zumindest ich kann das nicht. Irgendwo ist man auch nur ein Mensch und braucht ein Ventil und sei es nur eine Party im Monat, bei der man es so ordentlich krachen lässt, dass man am nächsten Tag noch vor Alkohol kaum richtig stehen kann. Frauen als Ventil habe ich dieses Semester abgeschafft. Zu zeitintensiv, zu nervig und zu viele Probleme. Da erlaubt man sich doch lieber mal vier, fünf Bierchen und ist wieder voller Kraft und Motivation, wenn der Rausch ausgeschlafen ist. Gibt es aber kein Ventil, explodiert man einfach. Bevor ich hier an der Uni Amok laufe, feier ich doch lieber bis zum Äußersten, danach kann man auch wieder bis zum Äußersten lernen.

Saufen mit den Neuen

Mai 27, 2010

Jaja, die neue Klasse hat schon so einiges für sich. Eine Chinesin, die mit 5 schon angefangen hat Alkohol zu trinken, ein Koreaner, der sich erstmal 3 Whiskey on the Rocks nacheinander bestellt hat und dann ich, der ich langsam und geschockt an meinem Bier nippe. Das Sauftreffen der Besten Japanisch-Klasse der Welt wurde für den Organisator, der logischerweise aus dem Land kam wo Bier und Honig fließen (ich!), zum ganz großen Erfolg. Nachher waren wir alle pappsatt, angeschuckert und um 15 Euro ärmer, aber dafür haben wir ja auch ordentlich gebechert.

Ich hatte mein erstes Bier noch nicht fertig, da war die krasse Chinesin schon bei Drink Nummer 3 und zwischendurch klaute sie dann auch noch mein Bier und des Koreaners Whiskey. Infolgedessen sie dann auch Whiskey und Bier bestellen musste. War halt lecker und so.  Interessante Gespräche ergaben sich im Fortgang des Abends, in denen ich beispielsweise für 18 gehalten wurde, mir eine Affäre mit der Lehrerin und/oder dem Koreaner angedichtet wurde und stille Wässerchen mich plötzlich anbrüllten mehr zu trinken und nicht so ein Weichei zu sein. DAS natürlich wieder auf Japanisch, was die Sache nochmal um einiges lustiger macht. Kann ja kaum noch Deutsch sprechen, wenn ich hacke bin, wie soll es dann erst mit Japanisch gehen. Naja, es ging irgendwie.

Wir lösten das Sauftreffen ganz ruhig auf, nachdem wir noch einige Bier in dem Studierzimmer des Wohnheims hatten. Also ging ich raus, schrie einen amerikanischen Freund an, der einfach weiterredete, obwohl er merkte, dass ich blau war und kurz vor dem Abfall ins Koma war. Ich drehte also noch ne klein Torkelrunde bis ich die Eingangstür gefunden hatte und war am nächsten Morgen saufroh, dass ich erst den Absturz hatte, nachdem alle Mitstudenten nach Hause gegangen sind. Als Organisator muss man schließlich die Contenance bewahren, wie man das in gutbürgerlichen bayrischen Haushalten so sagen würde. Naja, eigentlich wollte ich nur nicht, dass die Leute denken, dass Deutsche nicht trinken können. Denn wir können. Yes, we can!

Erste Stunde in der neuen Klasse

April 12, 2010

Nun wurde ich doch tatsächlich in die Klasse mit dem höchsten Japanisch-Niveau eingegliedert. Und vertrete da ganz alleine Europa. Zwei Amerikanerinnen sind in meiner Klasse, die aber in Okinawa geboren sind bzw. Eltern aus Okinawa haben. Insofern kann man mich schon fast als einzigen waschechten Westler zählen. Meine Fresse, würde Frau Fujita das hören, wäre sie sicher ein wenig stolz auf mich, dass ich es soweit geschafft habe. Heute kam ich also 5 Minuten vor Stundenbeginn in den Unterrichtsraum und alle waren versammelt. Jeder schwieg, die Lehrerin war da. Das erinnerte mich ein bisschen an das Schweigen der Lämmer. Der Kurs war dann aber an sich nicht so „a pain in the ass“, wie mein russischer Kommilitone Evgeny so schön zu sagen pflegte. Das Semester fängt erst an und alle müssen sich wohl erst einmal akklimatisieren.  Gut, dass ich schon weitesgehend akklimatisiert bin und so doch ganz gechillt im Unterricht saß und meine Selbstvorstellung auf Japanisch relativ reibungslos über die Bühne brachte. Als dann eine Chinesin meinte, dass sie Awamori (Okinawa-Schnaps) trinken wolle und dazu tanzen und singen möchte, meinte die Lehrerin auch gleich zu mir „Adam, die Sauftreffen überlasse ich mal dir.“ und dann auch noch zwei koreanische Typen meinten, dass sie einen „dunklen“ Charakter hätten (Hang zu depressiven Verhalten und nicht so wirklich lebhaft), sollte ich dann auch gleich mit den beiden Freundschaft schließen und ganz dicke werden, damit die zwei nicht gleich am nächsten Baum baumeln. Alles in allem also ein ganz entspannter Unterricht. Hausaufgaben für mich also: Sauftreffen organisieren, Selbstmörder nicht ihrem Schicksal überlassen und drei Arbeitsblätter. Könnte doch noch ganz lustig werden in dem Kurs. 🙂

Beef in der Uni

April 6, 2010

Kaum bin ich aus Okinawa zurück, sitze ich schon wieder in der Scheiße, wie man das so schön sagt. Die Situation beschreibt sich wie folgt: Ich bin im zweithöchsten Japanisch-Kurs an der Ryukyu-Uni und mit diesem Kurs auch ganz zufrieden und glücklich. Die Lehrer sind freundlich und das Niveau ist auch ganz ansprechend, auch wenn ich im Endeffekt doch nicht so wirklich am Lernen war, sondern ziemlich viel Zeit zum Chillen und Ausgehen hatte. Auf dem Trinkgelage nach meinem Redewettbewerb war ich ja Gegenstand diverser Diskussionen in welche Gruppe ich denn gehen könnte. Aufsteigen, Absteigen, Dableiben. Es gab 3 Gruppen für mich zur Auswahl. Und die Lehrer kloppten sich ein bisschen untereinander. Aber nun ja, ich habe es mal als Scherz abgetan, weil doch niemand wirklich glaube, dass mein Niveau höher als das aktuelle Kursniveau ist. Niedriger ist es auch nicht. In volltrunkener Stimmung sagen Japaner sowieso Sachen, die sie nüchtern nie raushauen bzw. glauben würden. Das ist da ganz ähnlich wie mit Deutschen auch. Nächster Morgen Kater und scheißegal was gestern war.

Dann war es ganz plötzlich am 1. April, als ich wegen einer Beratung zu meiner aktuellen Klassenlehrerin ging. Ich musste nur eine Namensliste, auf dem die neuen Leute standen, besorgen, die ich dann gestern eskortiert habe. Im Nachbarraum saß die Klassenlehrerin der höchsten Gruppe, die auch für das gesamte Kursprogramm der Ausländer an der Uni verantwortlich ist. Da holte ich gerade den Aufzug und wollte gerade einsteigen, als sie aus dem Raum kam und mich flüsternd herbestellte. „Wie war das noch gleich, wollteste du nicht in den obersten Kurs rein?“ Ähm, dachte ich, die erinnert sich? Ich habe zwar auch gesagt, dass ich in den unteren Kurs wolle, aber da das eigentlich nicht möglich ist, war das als Scherz abgetan. Ein Aufstieg ist dagegen bei besonderen Leistungssprüngen möglich. Aber ziemlich selten. Und die Argumente, die ich dann gegen den Aufstieg lieferte, wurden alle erstaunlich lässig von der Lehrerin der oberen Klasse beiseite gewischt. Was sollte ich also tun, um in die obere Gruppe zu kommen, in die ich liebend gerne gehen würde, um mein Japanisch mal richtig abgehen zu lassen. Verrat.

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Redewettbewerb der Präfektur Okinawa

Februar 28, 2010

Unter 12 Leuten war ich der einzige Deutsche, aber ich finde, dass ich mein Land und meine Klasse doch ganz gut vertreten habe. Ich gewann den besonderen Preis der Jury. Dass meine Japanisch-Kenntnisse nicht an die Leute aus dem obersten Sprachkurs reichen, war mir früh klar, also hatte ich nur die Chance mit Gestik und Mimik und besonders lustigem Inhalt aufzufallen. Hat wunderbar geklappt. Der Saal lag mehrmals lachend auf dem Boden und selbst ich musste wegen meiner eigenen Rede lachen und machte während der Vorstellung ein durchgehend strahlendes Gesicht. So aufgeregt ich davor war, so aufgelöst war ich dann als ich vor knapp 300 Leuten auf der Bühne stand und meine Rede fehlerfrei und ohne Ablesen über die 7 Minuten brachte. Es war ein unglaublich schönes Gefühl, dass ich von Tatsuyas (Kommilitone mit japanischen Eltern aus Kanada) eigentlich strengem Vater so viel Lob nach meiner Rede bekam und auch eine Japanerin sich draußen zu mir setzte und meinte, dass ich ihr Bild von Deutschland ein wenig erweitert habe. Mehr wollte ich nicht erreichen. Dass auch nur eine Person ein neues Bild von Deutschen bekommt, hat mich echt glücklich gemacht. Nach einer Woche des Übens und Auswendiglernens einer Rede über Bier, Wurst und Vorurteile war es gut beim Saufen nach dem Wettbewerb endlich mal ein kühles Helles in der Hand zu haben. Das war das leckerste Bier, dass ich je getrunken hab. 😉

Speech Contest oder: Der Drang aus dem sechsten Stock zu springen

Februar 11, 2010

Saß ich doch gestern ernsthaft 3 (!) Stunden im Büro von Kinjou-sensei, der meine Speech so dermaßen auseinandernahm, dass ich nicht mehr weiss, wo Anfang und Ende ist. Erstmal wurde die Reihenfolge geändert, was ich an sich ja super fand, aber dann ging der Rotstift gleich 5 Mal hintereinander über die jeweils korrigierte Speech. Ich habe also genau 5 Mal die Speech am PC im Nachbarzimmer korrigiert und dann immer noch was reingeschrieben bekommen. Ner Japanerin hab ich die Speech jetzt auch mal zum Lesen gegeben und war dann wenigstens glücklich, dass die jetztige Speech doch viel besser als die davor sei. Im Endeffekt ist der Lernaufwand aber enorm geworden. Ich glaub das gerade nicht, kaum eine Stelle blieb verschont, sodass ich fast wieder bei Null anfangen darf. 8 Minuten ist die Speech lang, wenn man sie nur vorliest. Dann kam noch die Superinfo, dass nur 10 Leute an dem Redewettbewerb teilnehmen. Darunter zahllose mit ethnisch-japanischem Hintergrund oder Asiaten, die schon seit Jahren Japanisch lernen. Ich darf also in keinem Fall versagen. Bei 30 Leuten wäre das weniger aufgefallen, aber bei 10 Leuten ist absolutes Kamikaze-Lernen angesagt.