Ryukyuanism und Japaneseness

Februar 7, 2011

„Japaneseness“. Zu deutsch: Japanizität. Was beschreibt dieses Wort? Ganz einfach gesagt: Es gibt einen Diskurs darüber was Japan ist, was Japan sein sollte, wer zur Gemeinschaft Japan dazugehört und wer nicht. So gibt es eine populärwissenschaftliche Richtung in Japan, die sich „Nihonjinron“ (zu deutsch: Japan-Diskurs, Theorien über Japaner) nennt und die Besonderheit und die exklusiv japanischen Charakteristika in allen möglichen Bereichen des Lebens kennzeichnet. So gibt es beispielsweise Theorien über die Unvereinbarkeit von „westlichem“ und „japanischem“ Gedankengut beispielsweise in der Bioethik, etc. Soll das verwundern? Nicht wirklich. In einem Land, in dem Premierminister Nakasone den Erfolg des japanischen Wirtschaftmodells während der Bubble-Economy (Immobilienblase während dessen Höhepunkt der Wert des Grundstücks des Kaiserpalastes in Tokyo in etwa dem Wert von ganz Kalifornien entsprach) Ende der 80er damit, dass Japan im Gegensatz zu westlichen Staaten wie Amerika keine hohen Ausländeranteile an der Bevölkerung hat. Ethnische Homogenität als Garant für wirtschaftlichen Erfolg. Wo Japan jetzt steht wissen wir. Seit 1992 gab es eine Niedrigwachstumsphase, die es in dieser Form sicherlich in Japan noch nie gab. Vom Musterschüler zum Sitzenbleiber.

Gleichzeitig ist das Denken nach wie vor unverändert ethno-zentrisch. Japaner glauben erkennen zu können, was typisch japanisch und was typisch ausländisch ist. Das Prinzip scheitert allerdings bereits bei fast komplett assimilierten Koreanern, die nach dem Krieg nunmehr in dritter oder vierter Generation in Japan leben. Egal wie Japanisch sie auch sein mögen, sie werden nie Japaner sein. Das amerikanische Prinzip der Korean Americans scheitert in Japan bereits an den Denkbarrieren der Mehrheitsgesellschaft. Die Selbstessenzialisierung der Japaner hat für Ausländer zur Folge, dass sie nie und nimmer als Japaner akzeptiert werden. Dem Ausländer hängt das Besondere im Kontrast zum besonderen Japanischen an. Den Rest des Beitrags lesen »

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Convenience Stores – Japanische „Konbinis“

Februar 5, 2011

Anders als in Deutschland, wo man spät abends oftmals hungrig und durstig die Nacht verbringen muss, gibt es diese Gefahr in Japan überhaupt nicht. Während man in Deutschland zur nächsten 24Stunden-Tankstelle laufen müsste, gibt es in Japan ein, sagen wir ultrakapitalistisches, Convenience Store-System, das die Japaner rund um die Uhr mit Getränken, Tabak, Fast Food, etc. versorgt. Dort kann man sogar Socken, Zahnbürsten etc. kaufen. Natürlich sind die Preise in den Konbinis nicht ganz ohne, aber andererseits auch noch nicht im Bereich der hiesigen Tankstellenpreise. Anders als Tankstellen oder auch Trinkhallen sind die Konbinis ausnahmslos rund um die Uhr (auch sonn- und feiertags) geöffnet. Genialerweise kann man in den Konbinis dazu noch mit Kreditkarte bezahlen! In Okinawa habe ich mir diverse Male einfach ne Flasche Cola und ne Packung Tabak mit meiner Visa-Kreditkarte besorgen können. Da kann man echt schon von Service-Wüste Deutschland sprechen. Gleichzeitig sind die Löhne im Konbini natürlich nicht wirklich ausreichend um sein Leben zu bestreiten, sodass meist lediglich Studenten (u.a. Studiengebühren bezahlen) und Hausfrauen als Part-Timer (u. a. um das Studium der Kinder zu bezahlen 😉 ) im Konbini arbeiten. Ich war jedenfalls heilfroh, dass direkt vor unserem Wohnheim so ein Konbini war (dagegen war der nächste Supermarkt 30 Minuten weit weg, auf dem Weg dorthin lagen 3 Konbinis) und dieser Konbini hieß „Koko“. Man mag jetzt als klugscheißerischer Japanologie-Student oder impotenter Japanfachmann sagen: „Hey, so einen Konbini gibts gar net!“ Naja, den Konbini „Koko“ gibt es tatsächlich nur in der Präfektur Okinawa. Wieder was dazugelernt. An dieser Stelle noch eine Anekdote: Wenn wir im Taxi aus Naha zurück zum Wohnheim saßen, saß ich immer auf dem Beifahrersitz und durfte die Anweisungen geben, wohin wir denn müssten. Als wir bereits kurz vorm Wohnheim waren, zeigte ich auf den Konbini und sagte: „Koko de ii desu.“ (Am Koko is okay.) Ich meinte natürlich den Konbini. Dummerweise heißt „Koko“ auf Japanisch zugleich „Hier“, also ließ der Fahrer uns direkt 300 Meter vom Konbini aussteigen. Jedenfalls war das Konbini-System in seiner Kundenfreundlichkeit einfach unschlagbar und echt ein Gewinn. So konnte man selbst um 4 Uhr morgens noch Socken und/oder Zigaretten kaufen gehen. 😉  Das sahen auch einige andere Ausländer in Japan so und schrieben deshalb eine Ode an den Konbini.

Nur ein Zimmer

Januar 31, 2011

Ich habe gehört, dass Menschen oft das Gefühl haben, dass die Wände auf sie zukommen würden. Irgendwie stelle ich mir dann immer vor wie Indiana Jones während eines Abenteuers in eine dieser Fallen gerät, in denen sich die dornengespickten Wände auf den Helden zubewegen, während er von klaustrophobischer Angst getrieben zu entkommen versucht. Natürlich ist das Leben kein Film und wenn es doch einer wäre, dann doch ein ziemlich schlechter.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich ein Zimmer suchte. Der Herbst stand vor der Tür und auf Parkbänken zu schlafen hielt ich für keine erstrebenswerte Alternative. Ein Einzimmerappartment sollte es sein. Ich suchte und fand eine günstige Bleibe. Die Besichtigung war bereits für den nächsten Tag vereinbart. Dann stand ich vor dem mehrgeschössigen Haus. Ein Haus, in dem keiner wohnte. Ein Haus, das Menschen verschluckt und nicht wieder herausgibt. Trotzdem nahm ich die Wohnung. Vier Wände, ein Dach. Ein Sarg mit Raufasertapete.

Als du hier warst, da war es so, als würde in dieses menschenfressende Haus das Leben Einzug halten. Die hohlen Gänge waren von unserem Lachen und vom Duft deines Essens erfüllt. Die Nächte, in denen ich an deiner Seite schlief, deine Wärme spürend, waren die erholsamsten Nächte meines Lebens. Dein leises Atmen war meine Nachtmusik. Es kam mir vor als würde ich am Meer wohnen und dem sanften Rauschen der Wellen lauschen. Ein beruhigendes Rauschen.

Jetzt ist da nur das Rauschen des Radios. Eine metallische Stimme, die so tot wirkt wie ein kalter Eisenblock. Eine metallische Stimme, die durch die Gänge hallt. Ein Echo gibt es nicht mehr. Die dunklen Gänge des Hauses verschlucken die Radiostimmen und geben sie nicht mehr heraus. Das Haus frisst die Töne, es frisst das Leben. Wenn ich durch die kalten Gänge gehe, fühlt es sich an als würde ich durch den sterilen Magen eines Betonmonsters gehen. Das kleine Zimmer, das für uns beide manchmal sogar zu eng wurde, ist plötzlich zu groß. Die Wände scheinen sich zu entfernen, wie ein Ungeheuer, das sein Maul aufreißt, bevor es mich endgültig zwischen seinen Zähnen zermalmt und frisst. In der Mitte des Zimmers kauere ich auf dem Boden, ich steck mir eine Zigarette an und warte bis du wieder kommst oder das Zimmer mich endgültig in sich auflöst.

Musik aus Miyako – Shimoji Isamu (下地勇)

Januar 30, 2011

Miyako, das ist eine kleine Inselkette im Süden der Präfektur Okinawa, also doch schon ein ganzes Stück weit weg von Japan. Die eigentlichen Sprachen der Präfektur Okinawa, die Ryukyu-Sprachen, werden gemeinhin zu der japanischen Sprachfamilie gezählt, allerdings würde niemand von den Hauptinseln einen Sprecher der Ryukyu-Sprachen verstehen können. Der Wortschatz mit gemeinsamen Wortursprung beträgt ca. 50 bis 60 Prozent. Von einer Ryukyu-Sprache an sich kann derweil gar nicht geredet werden. Die Inselketten Miyako und Yaeyama sind derart weit südlich, dass zwar Verwandtschaft besteht, die Sprecher der unterschiedlichen Okinawa-Dialekte sich aber trotzdem nicht verstehen. Auf der Insel Miyako ist derweil das Problem des Aussterbens der Dialekte durch die Japanisierung der Inseln genau wie auf der Hauptinsel Okinawa gegeben. Handelt es sich doch ausserdem bei der Sprechergemeinschaft des Miyako-Dialekts um eine relativ kleine Gruppe. Während auch auf der Hauptinsel Okinawa versucht wird der Dialekt am Leben zu erhalten, singt der Sänger Shimoji Isamu ganz ausschließlich im Miyako-Dialekt. Dies ist wesentlich intensiver als wenn Bands einfach nur ein paar Okinawa-Wörter einstreuen. Ich persönlich muss sagen, dass ich kein einziges Wort verstehe, von dem was Shimoji Isamu singt, ABER da ich des Japanischen mächtig bin, kann ich die Untertitel lesen und den Text übersetzen.

Shimoji Isamu – Obaa 下地勇 おばぁ

„Mein Liebster, wieso hast du mich, ohne auch nur Lebewohl zu sagen, ganz allein gelassen und bist vor mir gestorben?“ Das Gesicht des kalt werdenden Ojii (Opa, auf Okinawa auch: alter Mann) streichelnd, beginnen aus obaas (Oma, auf Okinawa auch: alte Frau) Augen Tränen zu fallen.

„Obwohl wir bis heute durch alle Zeiten immer zu zweit gegangen sind. Wieso nur? Obwohl es hier und dort im Haus noch nach dir riecht, wieso schweigst du und stirbst einfach vor mir? Das Zuckerrohr, das du gepflanzt hast, das Feld, um das du dich immer gekümmert hast, die Pferde und die Ziegen, die du gehütet hast. Was soll denn aus mir werden, wenn du nicht mehr da bist? Bitte wach auf. Bitte wach auf, sieh mir ins Gesicht und lächle doch!“

Ihr Liebster starb und obaa verkaufte die Pferde und die Ziegen. So war ausser obaa niemand mehr im Haus. Wenn es Nacht wurde, aß sie ganz allein ihr Abendessen, während sie ob der Einsamkeit jeden Tag weinte. „Der Fisch, den du kochst, schmeckt am besten!“, sagtest du, während du Awamori (Okinawa-Schnaps) trankst und lachtest. Als wäre es erst gestern gewesen. „Ich koche dir so viele Fische, wie du willst. Wenn du nur wieder hierher zurückkommst…“

Die Zeit verging. Als der kühle Südwind zu wehen begann, richtete Obaa ihren gebeugten Rücken wieder auf. Keine Kinder und keine Verwandten mehr, um die sie sich kümmern müsse. Sie lächelte glücklich. Obaa , führ auch ab jetzt und für immer ein langes und gesundes Leben.

Das Teemädchen – Ein Einblick in die nordkoreanische Seele

Januar 28, 2011

Dieses Video ist Teil einer sehr, sehr sehenswerten Serie über eine Tour durch Nordkorea. Für weitere Episoden bitte siehe hier. Wieso ich mir gerade dieses Video ausgesucht habe? Natürlich wegen der Frau! 😉 Nein, eigentlich zeigt diese Episode wie surreal Nordkorea in Wirklichkeit ist. Das Teemädchen ist zugleich ein Symbol der nordkoreanischen Nation. Vielleicht ist ihr gar nicht bewusst, dass sie unfrei ist, aber die Freude, die sie zeigt, weil sie nach langer Zeit mal wieder einen ausländischen Besucher hatte. Ich finde, da scheint so viel Menschlichkeit durch wie bei keinem anderen Teil der Dokumentation. Das Teemädchen, obgleich unglaublich schön, lebt einsam in einer surrealen Parallelwelt. Ihr Blick als er dankend den Tee ablehnt. Die ganze Enttäuschung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Zugleich aber die  kindische Freude, als der ausländische Besucher einfach nur Billard und Tischtennis mit ihr spielt. Die pure Freude, die sie dann doch ausstrahlt. Natürlich kann man über die nordkoreanische Politik denken wie man will, aber die Menschen dort sollte man streng trennen von der Linie der Partei. Eine Verteufelung des Landes geht einher mit einer Entmenschlichung Nordkoreas, aber dieses Land besteht aus Menschen, die ebenso Freude, Trauer und Einsamkeit empfinden.

Jetzt reicht’s aber auch mal!

Januar 26, 2011

Kaum verfasste ich den letzten Blogeintrag ging es wieder zur Arbeit. Um 22 Uhr macht unser Laden dicht. Wann ich wieder zu Hause war? Viertel nach 11! Ich hatte heute direkt 5 Päckchen auszuliefern, was beim Einzugsgebiet, das wir haben echt nicht ohne ist. Dann kommt es natürlich dazu, dass zwei Adressen nicht zu finden waren. Bei drei Lieferungen war ich also dermaßen, dass sich ein Kunde sehr stark beschwerte und zwei weitere Lieferungen storniert werden mussten. Dies hängt auch damit zusammen, dass ich schon vom Start weg hinter meiner Lieferzeit herfuhr. Kommt dann noch dazu, dass der Navi mir zwei Adressen nicht anzeigen kann, dann ist es echt zu Ende. Tut mir leid, aber Kapitalisten versteh ich echt nicht. Da weiss man doch, dass 6 oder 7 Lieferungen so zusammenkommen und man stellt keinen zweiten Fahrer ein. Stattdessen ruft man lieber einen Kurier, der aber auch nicht alles liefern kann, was bei uns so reinkommt. Kundenzufriedenheit? Nee, Hauptsache wir scheffeln Kohle. Im Notfall können wir ja dem unzufriedenen Kunden nen Gutschein ausstellen. An Tagen, an denen nicht so viel zu tun ist, reicht ein Fahrer natürlich vollkommen, aber in letzter Zeit gibt es bei uns solche Tage nicht mehr. Fragt sich dann nur, wieso man so beratungsresistent sein kann, keinen zweiten Fahrer einzustellen. Ich hab es heute nicht mal mehr zurück zu unserem Laden geschafft, sondern den Wagen zum Hauptbahnhof gebracht, wo ihn mir ein Koch abgenommen hat. Wo ich aber so auf meinen Kollegen wartete, wäre ich fast umgekippt. Mir wurd schon schwarz vor Augen, weil ich scheinbar nicht genug gegessen hatte oder weil es einfach zu stressig war. Jedenfalls war mir das als Grenzerfahrung schon genug. Vielleicht muss ich erst abkratzen, bis sich bei uns mal was tut. Aber ne, dann hätten wir ja einen Fahrer weniger. Wo sollen wir auch die ganzen Fahrer hernehmen. Sterben ja alle eh weg.

Das Leben eines Sushi-Fahrers

Januar 26, 2011

Samstag ging wieder alles den Bach runter. Beim Ausliefern zur Zweigstelle im Hauptbahnhof ging mir wieder Reis kaputt. Mit dem Stress von weiteren 5 Lieferungen im Nacken, vergass ich natürlich alles und spurtete los. Folge: Ärger vom Chef. Dann waren da noch die 5 Lieferungen, die ich relativ gut noch ausgeliefert bekam. Allerdings warteten als ich zurückkehrte bereits fünf weitere Lieferungen auf mich. Lustigerweise war ich dann 3 Mal schon über ne Stunde zu spät…Manchmal kann man sich bei der Arbeit echt den Arsch abfahren und wird dann noch vom Kunden fertiggemacht. Im Augenblick muss ich diese Arbeit noch machen, da ich Geld für meinen zweiwöchigen Okinawa-Urlaub brauche, aber Gott weiss, dass ich keine Lust habe ganz Düsseldorf (Einzugsgebiet geht über Düsseldorf hinaus) zu beliefern und dann doch einen recht geringen Lohn für den ganzen Stress zu bekommen. Früher hat’s noch Spaß gemacht, aber mittlerweile ist das Verhältnis zu den Kollegen sowieso nicht mehr vorhanden. Dass ich Japanisch reden kann, spielt eigentlich keine Rolle mehr. Irgendwohin eingeladen werde ich sowieso nicht mehr. Wenn ich mir dann teilweise andere Jobs ansehe, wo Japanisch-Kenntnisse gebraucht werden und die mit 11 Euro die Stunde vergütet werden. Da wird einem die jetzige Situation umso unangenehmer. Im nächsten Semester muss ich eigentlich nicht mehr arbeiten. Zeit für einen Urlaub in Okinawa habe ich auch nicht. Büffeln ist angesagt. Vielleicht finde ich ja etwas, das wenigstens für meine Zukunft irgendeinen Sinn macht. Raus umkippen macht eifnfach keinen Spaß.

Deutschland schafft sich ab und der Wutbürger kann es nicht aufhalten

Januar 18, 2011

Jakob Augstein schreib in seiner Kolumne für Spiegel Online über das Sarrazin-Phänomen folgendes:

Worüber empört sich der Deutsche?

„Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken Türkisch und Arabisch gesprochen wird, die Frauen ein Kopftuch tragen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird. Wenn ich das erleben will, kann ich eine Urlaubsreise ins Morgenland buchen.“

Worüber empört sich der Franzose? Über

„diese Gesellschaft der rechtlosen Ausländer, der Abschiebungen und des Generalverdachts gegenüber den Einwanderern, (…) diese Gesellschaft, in der die Renten unsicher werden, der Sozialstaat abgebaut wird und die Medien in den Händen der Reichen liegen, alles Sachen, die wir niemals akzeptiert hätten, wenn wir die wahren Erben der Résistance wären“.

Dieser Vergleich bildet den Kern der Kolumne des Autors. Während in Deutschland ein Buch über/gegen Ausländer zum Verkaufsschlager wird, ist in Frankreich genau das Gegenteil der Fall. Empörung bildet das zentrale Motive beider Werke. Im Falle des französischen Buchs von Stéphane Hessels ist diese Empörung allerdings positiver Natur. Der französische Wutbürger ist ein Positivum. Der deutsche Wutbürger ein Reaktionär. Vor kurzem wurde an Platz 2 der Wahl zum Unwort des Jahres das Wort „Integrationsverweigerer“ gewählt. Was genau soll das heißen? Der Wutbürger ist das Wort des Jahres und der „Integrationsverweigerer“ Platz 2 der Wahl zum Unwort des Jahres. Zwischen beiden Wörtern gibt es einen Zusammenhang. Der Wutbürger, der sich über die staatliche Bevormundung und gegen Ausländer empört, zeigt damit nur, dass Deutschland sich wirklich abschafft…und das ist auch gut so.

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Biffy Clyro – Glitter and Trauma

Juli 14, 2010

Migrationspolitik at its best

Juni 28, 2010

Was da wieder von einigen Unionspolitikern vorgeschlagen wurde, toppt nochmal alles. Ein Intelligenztest für Ausländer soll her, über den bestimmt werden kann, ob der Migrant eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland erhält oder nicht. Nach den Einbürgerungstests, in denen Einwanderer, die die Deutsche Staatsbürgerschaft annehmen wollen, unter anderem das deutsche Wahlrecht auf Deutsch erklären sollten (mal fragen wieviele Abiturienten dies auf die Reihe kriegen), der Forderung Deutsch als Landessprache im Grundgesetz festzuschreiben und der „Kinder statt Inder“-Kampagne muss man der Union doch fast schon jegliche Kompetenz auf dem Gebiet Migrationspolitik absprechen. Fakt ist: 18,7 % der Bevölkerung Deutschlands hat einen Migrationshintergrund. Hätte die CDU ihre Forderung schon vor Jahren durchgesetzt, wären wir jetzt wesentlich weniger Deutsche hier. Aber es reicht ja auch jetzt schon, dass mehr Leute aus Deutschland ausziehen als hineinemigrieren. Das Problem bei der Denkweise, die in der CDU nun vorherrscht ist: Ausländer müssen die besseren Deutschen sein.

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